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	<title>Michael Hausdorf &#187; Andreas Kotte</title>
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		<title>Serie: Theater und Religion (01)</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Jun 2009 10:53:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Andreas Kotte]]></category>
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		<description><![CDATA[Theater und Theatralität
In unserem Sprachgebrauch wird der Begriff Theater zumeist eindeutig als Bezeichnung für ein Gebäude oder eine spezielle Richtung der Darstellenden Kunst verwendet. Ein jeder weiß, was ein Theater ist und dass in einem Theater eine oder mehrere Personen ein Theaterstück für andere Personen spielen.
Verbreitet ist auch der Ausspruch „Was für ein Theater!“, meist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Theater und Theatralität</h3>
<p>In unserem Sprachgebrauch wird der Begriff Theater zumeist eindeutig als Bezeichnung für ein Gebäude oder eine spezielle Richtung der Darstellenden Kunst verwendet. Ein jeder weiß, was ein Theater ist und dass in einem Theater eine oder mehrere Personen ein Theaterstück für andere Personen spielen.</p>
<p>Verbreitet ist auch der Ausspruch „Was für ein Theater!“, meist eher nicht in Verwendung ob des Lobes an die Qualität einer etablierten Spielstätte, sondern um eine alltägliche Begebenheit zu beschreiben. Eine Situation, die hervorsticht durch besondere Momente. Etwas, dass diese Situation von der gemeinen Situation des schnöden Alltags unterscheidet.</p>
<p>Und letzten Endes kommt es dann und wann vor, dass Jemand meint, dass ihm ein Anderer  „ein Theater vorspiele“. Also eine Situation, die zum Einen durchschaubar gemimt sei und zum Anderen nicht die Wirklichkeit, die sie vorgibt, abbildet.</p>
<p>Um Theater nun nicht aus seiner ursprünglichen Begrifflichkeit lösen zu müssen und um dennoch über Phänomene reden zu können, die in offensichtlich engem Kontext hierzu stehen, hat sich mit der Zeit ein Begriff eingebürgert, der bis heute Verwendung findet, nämlich der der Theatralität.</p>
<p><span id="more-54"></span></p>
<p>Seit langer Zeit beschäftigen sich Theaterwissenschaftler in diesem Kontext auch mit Erscheinungen des Theaters, die außerhalb fester Spielstätten aufgetreten, nämlich Erscheinungen, die man kurz unter der Formel „Kult, Fest, Feier, Zeremonie, Ritual“(1) zusammenfassen kann.</p>
<p>Neben der Theaterwissenschaft wird der Begriff der Theatralität auch in anderen Wissenschaften wie der Psychologie, Philosophie, Anthropologie oder aber auch den Kunst- und Kulturwissenschaften verwendet.</p>
<p>Diese Fachdisziplinen beschreiben damit meistens „mehrdeutige Beziehungen zwischen Gegenständen, Personen und Aktionen“(1). Allerdings ist an dieser Verwendung eine ähnlich inflationäre Handhabungsweise, wie sie dem Begriff „Theater“ widerfahren ist, zu ersehen.</p>
<p>Es werden im interdisziplinären Gebrauch Vorgänge durch Theatralität beschrieben, die theaterähnlich zu sein scheinen, die gewisse Assoziationen zum Theater wecken.</p>
<p>Mehr als ein Jahrzehnt ist es nun her, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft zu einer Tagung zum Thema „Theatralität“ Vertreter unterschiedlicher Fachrichtungen eingeladen hat, um der Theaterwissenschaft die Möglichkeit zu geben, sich mit diesen über die eigentliche Bedeutung des Begriffs zu verständigen.</p>
<p>Thematisiert wurde dort unter anderem, inwieweit sich beim Auftritt des aktuellen Kanzlerkandidaten der SPD in der Öffentlichkeit von Theatralität sprechen lasse. Entsetzt meldete sich an dieser Stelle die Autorin Sybille Wirsing(2) zu Wort.</p>
<p>Ihrer Meinung nach seien jetzt schon „Generalzweifel an dem Projekt“ anzumelden, da die „die Erforschung des politischen Gebarens den Rahmen der Zuständigkeit der Theaterwissenschaft“ überschreitet.</p>
<p>In diesem Fall ging es um einen Auftritt Gerhard Schröders, der immerhin „ein hochgradiges Politikum“ sei und man spreche „von Leuten, auf deren Schultern zum Beispiel die Bundesrepublik ruht“. Dieses zu beurteilen, oder gar zu analysieren, fiele ihrer Meinung nach „nicht in die Kompetenz von Theaterwissenschaftlern“.</p>
<p>Augenfällig an diesem Zitat ist, dass Wirsing keinen klaren Bezug zum eigentlichen Gegenstand der Tagung, nämlich der Findung einer gemeinsamen Definition von Theatralität, her stellt. Inwiefern das dem eigentlichen Thema dienlich sein wird, werde ich im morgigen Artikel darstellen.</p>
<h4>Quellen:</h4>
<p>(1) Kotte, Andreas: Theaterwissenschaft. 324 S. Wien 2005.</p>
<p>(2)  Frankfurter Allgemeine Zeitung. „Nicht alles ist Kultur, aber alles ist Theater?“ In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.Juni 1997, Nr. 122, S. 42. Zitiert nach <a href="http://fazarchiv.faz.net/webcgi?START=A11&amp;T_SEITE=9&amp;WID=16543-2470297-11101_14" target="_blank">FAZ Archiv</a>, letzter Besuch: 25. Juni 2007, 14:25 MEZ</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (03)</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Jun 2009 04:27:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
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		<description><![CDATA[Inszenierung und Aufführung
Fischer-Lichte hat in ihrem Vortrag den Begriff der Inszenierung als Herleitungsschritt benutzt. Dazu hat sie eine Definition dieses Begriffs gewählt, wie er auch im Allgemeinen Theaterlexikon  verzeichnet ist: Inszenierung meint „das Ordnen des Personals und des Materials zum Ganzen der Darstellung einer dramatischen Dichtung“(1).
Sie führt des Weiteren aus, dass in den letzten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Inszenierung und Aufführung</h3>
<p>Fischer-Lichte hat in ihrem Vortrag den Begriff der Inszenierung als Herleitungsschritt benutzt. Dazu hat sie eine Definition dieses Begriffs gewählt, wie er auch im Allgemeinen Theaterlexikon  verzeichnet ist: Inszenierung meint „das Ordnen des Personals und des Materials zum Ganzen der Darstellung einer dramatischen Dichtung“(1).</p>
<p>Sie führt des Weiteren aus, dass in den letzten dreißig Jahren zudem eine Öffnung des Begriffs stattgefunden hat, so dass er auf alle Prozesse Anwendung finden kann, bei denen das Ordnen der Personen und des Materials dazu dient, etwas in Hinblick „auf eine bestimmte Wahrnehmung erfahrbar zu machen“(2).<br />
<span id="more-82"></span><br />
Man kann also sagen, dass eine Inszenierung in erster Linie etwas sinnlich erfahrbar macht, das anders in dieser Form nicht in Erscheinung treten kann.</p>
<p>Jens Roselt(3) hingegen verwendet  den Begriff „Inszenierung“ grundlegend anders. Bei ihm steht „die Gesamtheit der szenischen Elemente“ im Mittelpunkt, wobei er sich wahrscheinlich auf Craig(4) bezieht.</p>
<p>Ihm zufolge zählen zu einer Inszenierung alle Zeichensysteme des Theaters, die sich dadurch auszeichnen, dass sie geplant oder geprobt und auf Wiederholung angelegt sind.</p>
<p>Die sinnliche Erfahrung dieser Inszenierung, also den „Zusammenklang von Bildern, Räumen, Körpern, Geräuschen, Musik und (stimmlich artikulierten) Wörtern“(5), nennt Roselt eine „Aufführung“.</p>
<p>Er unterscheidet dahin gehend, dass eine Aufführung (einer Inszenierung) auf eine konkrete Situation und ein spezifisches Publikum bezogen ist: „Produktion und Rezeption laufen gleichzeitig ab und bedingen einander. Das heißt, eine Aufführung entsteht in der Interaktion ihrer Teilnehmer“(3).</p>
<p>Er geht sogar noch einen Schritt weiter: „Durch die Aufführung wird eine soziale Gemeinschaft auf Zeit gestiftet, die heterogen oder homogen strukturiert sein kann und deren Formation vielfältigen Ansprüchen ausgesetzt ist“(3).</p>
<p>Wie im Vorfeld angeführt, ist der Begriff der Theatralität kein spezifisch in der Theaterwissenschaft verwendeter Begriff, sondern kann als allgemein verwendete Bezeichnung für Prozesse, die dem Theater ähnlich zu sein scheinen, verwendet werden.</p>
<p>Da sich nun eine Theatralität aufgrund der nur schwammigen Fassbarkeit des Begriffs nur schwerlich nachweisen lässt, muss man einen Schritt weiter gehen. Um Begebenheiten, die im Vorfeld unter dem Begriff „Kult, Fest, Feier, Zeremonie, Ritual“(6) zusammengefasst wurden, zu beschreiben und im Nachhinein bewerten zu können, sind noch aufzustellende Thesen zu finden, mit denen nachgewiesen werden kann, dass es sich um Inszenierungen beziehungsweise Aufführungen handelt.</p>
<p>Hat man dies einmal für einen bestimmten Gegenstand nachgewiesen, kann man davon ausgehend weitere Untersuchungen anstellen, da man so geschickt die Notwendigkeit einer Theatralitätsdefinition umgehen kann.</p>
<p>Wie im Vorfeld bereits näher beschrieben wurde, wird die Politik von ihrer Natur aus für solche Untersuchungen immer wieder als Beispiel herangezogen. Daher soll im Rahmen dieser Arbeit ein anderer Themenkomplex näher untersucht werden.</p>
<p>Die Entscheidung ist auf den Bereich des Gottesdienstes gefallen, weil sich dieser neben der Politik als beständige „cultural performance“(6) über die Jahrhunderte gehalten hat. Wenn Politik eine Inszenierung ist, warum sollte dann nicht etwa ein evangelischer Gottesdienst die Aufführung einer Inszenierung sein?</p>
<h4>Quellen:</h4>
<p>(1) Herloßsohn, Karl: Allgemeines Theaterlexikon oder Encyclopädie alles Wissenswerthen für Theaterfreunde unter Mitwirkung der sachkundigsten Schriftsteller Deutschlands. Neue Ausgabe. 3. Bd. Altenburg und Leipzig 1846.</p>
<p>(2) Fischer-Lichte, Erika: Das System der theatralischen Zeichen: Semiotik des Theaters. Band 1. Tübingen 1983.</p>
<p>(3) Roselt, Jens: Kreatives Zuschauen. Zur Phänomenologie von Erfahrungen im Theater. In: Der Deutschunterricht: Beiträge zu seiner Praxis und wissenschaftlichen Grundlegung, Heft 2, Stuttgart 2004. S. 46 – 56.</p>
<p>(4) Craig, Edward Gordon: Über die Kunst des Theaters. Berlin 1969.</p>
<p>(5) Hiß, Guido: Was analysiere ich wie? Der postmoderne Faust. In: Der Deutschunterricht: Beiträge zu seiner Praxis und wissenschaftlichen Grundlegung. Heft 2. Stuttgart 2002. S. 20 – 30.</p>
<p>(6) Kotte, Andreas: Theaterwissenschaft. 324 S. Wien 2005.</p>
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