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	<title>Michael Hausdorf &#187; evangelisch</title>
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		<title>Serie: Theater und Religion (03)</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Jun 2009 04:27:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Inszenierung und Aufführung
Fischer-Lichte hat in ihrem Vortrag den Begriff der Inszenierung als Herleitungsschritt benutzt. Dazu hat sie eine Definition dieses Begriffs gewählt, wie er auch im Allgemeinen Theaterlexikon  verzeichnet ist: Inszenierung meint „das Ordnen des Personals und des Materials zum Ganzen der Darstellung einer dramatischen Dichtung“(1).
Sie führt des Weiteren aus, dass in den letzten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Inszenierung und Aufführung</h3>
<p>Fischer-Lichte hat in ihrem Vortrag den Begriff der Inszenierung als Herleitungsschritt benutzt. Dazu hat sie eine Definition dieses Begriffs gewählt, wie er auch im Allgemeinen Theaterlexikon  verzeichnet ist: Inszenierung meint „das Ordnen des Personals und des Materials zum Ganzen der Darstellung einer dramatischen Dichtung“(1).</p>
<p>Sie führt des Weiteren aus, dass in den letzten dreißig Jahren zudem eine Öffnung des Begriffs stattgefunden hat, so dass er auf alle Prozesse Anwendung finden kann, bei denen das Ordnen der Personen und des Materials dazu dient, etwas in Hinblick „auf eine bestimmte Wahrnehmung erfahrbar zu machen“(2).<br />
<span id="more-82"></span><br />
Man kann also sagen, dass eine Inszenierung in erster Linie etwas sinnlich erfahrbar macht, das anders in dieser Form nicht in Erscheinung treten kann.</p>
<p>Jens Roselt(3) hingegen verwendet  den Begriff „Inszenierung“ grundlegend anders. Bei ihm steht „die Gesamtheit der szenischen Elemente“ im Mittelpunkt, wobei er sich wahrscheinlich auf Craig(4) bezieht.</p>
<p>Ihm zufolge zählen zu einer Inszenierung alle Zeichensysteme des Theaters, die sich dadurch auszeichnen, dass sie geplant oder geprobt und auf Wiederholung angelegt sind.</p>
<p>Die sinnliche Erfahrung dieser Inszenierung, also den „Zusammenklang von Bildern, Räumen, Körpern, Geräuschen, Musik und (stimmlich artikulierten) Wörtern“(5), nennt Roselt eine „Aufführung“.</p>
<p>Er unterscheidet dahin gehend, dass eine Aufführung (einer Inszenierung) auf eine konkrete Situation und ein spezifisches Publikum bezogen ist: „Produktion und Rezeption laufen gleichzeitig ab und bedingen einander. Das heißt, eine Aufführung entsteht in der Interaktion ihrer Teilnehmer“(3).</p>
<p>Er geht sogar noch einen Schritt weiter: „Durch die Aufführung wird eine soziale Gemeinschaft auf Zeit gestiftet, die heterogen oder homogen strukturiert sein kann und deren Formation vielfältigen Ansprüchen ausgesetzt ist“(3).</p>
<p>Wie im Vorfeld angeführt, ist der Begriff der Theatralität kein spezifisch in der Theaterwissenschaft verwendeter Begriff, sondern kann als allgemein verwendete Bezeichnung für Prozesse, die dem Theater ähnlich zu sein scheinen, verwendet werden.</p>
<p>Da sich nun eine Theatralität aufgrund der nur schwammigen Fassbarkeit des Begriffs nur schwerlich nachweisen lässt, muss man einen Schritt weiter gehen. Um Begebenheiten, die im Vorfeld unter dem Begriff „Kult, Fest, Feier, Zeremonie, Ritual“(6) zusammengefasst wurden, zu beschreiben und im Nachhinein bewerten zu können, sind noch aufzustellende Thesen zu finden, mit denen nachgewiesen werden kann, dass es sich um Inszenierungen beziehungsweise Aufführungen handelt.</p>
<p>Hat man dies einmal für einen bestimmten Gegenstand nachgewiesen, kann man davon ausgehend weitere Untersuchungen anstellen, da man so geschickt die Notwendigkeit einer Theatralitätsdefinition umgehen kann.</p>
<p>Wie im Vorfeld bereits näher beschrieben wurde, wird die Politik von ihrer Natur aus für solche Untersuchungen immer wieder als Beispiel herangezogen. Daher soll im Rahmen dieser Arbeit ein anderer Themenkomplex näher untersucht werden.</p>
<p>Die Entscheidung ist auf den Bereich des Gottesdienstes gefallen, weil sich dieser neben der Politik als beständige „cultural performance“(6) über die Jahrhunderte gehalten hat. Wenn Politik eine Inszenierung ist, warum sollte dann nicht etwa ein evangelischer Gottesdienst die Aufführung einer Inszenierung sein?</p>
<h4>Quellen:</h4>
<p>(1) Herloßsohn, Karl: Allgemeines Theaterlexikon oder Encyclopädie alles Wissenswerthen für Theaterfreunde unter Mitwirkung der sachkundigsten Schriftsteller Deutschlands. Neue Ausgabe. 3. Bd. Altenburg und Leipzig 1846.</p>
<p>(2) Fischer-Lichte, Erika: Das System der theatralischen Zeichen: Semiotik des Theaters. Band 1. Tübingen 1983.</p>
<p>(3) Roselt, Jens: Kreatives Zuschauen. Zur Phänomenologie von Erfahrungen im Theater. In: Der Deutschunterricht: Beiträge zu seiner Praxis und wissenschaftlichen Grundlegung, Heft 2, Stuttgart 2004. S. 46 – 56.</p>
<p>(4) Craig, Edward Gordon: Über die Kunst des Theaters. Berlin 1969.</p>
<p>(5) Hiß, Guido: Was analysiere ich wie? Der postmoderne Faust. In: Der Deutschunterricht: Beiträge zu seiner Praxis und wissenschaftlichen Grundlegung. Heft 2. Stuttgart 2002. S. 20 – 30.</p>
<p>(6) Kotte, Andreas: Theaterwissenschaft. 324 S. Wien 2005.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (04)</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Jun 2009 03:00:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Gottesdienstordnung
Ich möchte an dieser Stelle zum ersten und letzten Mal anmerken, dass es sich hier um den Versuch einer möglichst objektiven Untersuchung handelt. Es liegt nicht in der Absicht des Verfassenden, die Weltansicht und das Handeln eines Gläubigen in irgendeiner wie auch immer gearteten Weise zu bewerten, sei es nun positiv oder negativ.
Daher wird [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Gottesdienstordnung</h3>
<p>Ich möchte an dieser Stelle zum ersten und letzten Mal anmerken, dass es sich hier um den Versuch einer möglichst objektiven Untersuchung handelt. Es liegt nicht in der Absicht des Verfassenden, die Weltansicht und das Handeln eines Gläubigen in irgendeiner wie auch immer gearteten Weise zu bewerten, sei es nun positiv oder negativ.</p>
<p>Daher wird auch nicht näher auf theologische Fragen oder dergleichen eingegangen werden. Ich gestehe durchaus ein, mir kein umfassendes Bild aller Gemeinden im lokalen sowie regionalen Bereich machen zu können, und das will ich auch nicht. Wie zu Beginn dieser Serie beispielhaft am Vortrag von Frau Fischer-Lichte belegt, ist dies auch nicht zwingend erforderlich.<br />
<span id="more-126"></span><br />
Es handelt sich lediglich um eine exogene Betrachtung des Ablaufs eines beliebigen evangelischen Gottesdienstes. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurde in erster Linie die Gottesdienstordnung der Evangelischen Landeskirchen(1) berücksichtigt, welche in Buchform in nahezu jeder öffentlichen Bibliothek einsehbar und für Jedermann zugänglich ist.</p>
<p>In dieser Gottesdienstordnung ist detailliert und schrittweise dargestellt, übrigens in ähnlicher Weise wie in einem Theatertext, wie und in welcher Reihenfolge die einzelnen Phasen des Gottesdienstes gestaltet werden sollten. Um zu bestätigen, dass ein evangelischer Gottesdienst wirklich gemäß diesen Vorschriften abgehalten wird, habe ich diverse evangelische Gottesdienste in Duisburg, Essen, Dortmund und Bochum besucht.</p>
<p>Die Gottesdienstordnung der Evangelischen Landeskirchen besagt, dass sich seit der Reformation in der evangelischen Kirche neben vielen anderen im Besonderen zwei Formen des Gottesdienstes etabliert haben, die bis heute Verwendung finden.</p>
<p>Dies sind der Messgottesdienst mit Abendmahl, auch Hauptgottesdienst genannt, sowie der Predigtgottesdienst.</p>
<p>Obwohl beide Formen sich nicht wirklich gleichen, haben sie sich jedoch seit Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr als sich ergänzende Grundformen entwickelt.</p>
<p>Dies findet seine Begründung vor allem darin, dass der evangelische Messgottesdienst neben seinem inhaltlichen Aspekten auch ökumenische Maßstäbe gesetzt hat, die dazu beigetragen haben, dass die evangelische Kirche in der Sparte der christlichen Glaubensrichtungen als tolerant und weltoffen gilt und Ruf genießt, am Dialog mit anderen Glaubensrichtungen interessiert zu sein.</p>
<p>Der Predigtgottesdienst bietet zudem eine recht große Anzahl an Variationen in seinen Gestaltungsmöglichkeiten und konnte sich aufgrund dieser Möglichkeit, auf zeitgenössische Strömungen reagieren, über die letzten fünf Jahrhunderte halten und zu seiner heutigen Form weiterentwickeln.</p>
<p>Den beiden Formen ist eine gemeinsame Grundstruktur zu Eigen. Um diese genau zu erfassen, bietet sich eine grobe Einteilung in vier unterschiedliche Phasen, ähnlich einer Szenenteinteilung bei einem Theaterstück, an.</p>
<p>Die erste Phase eines evangelischen Gottesdienstes wird die Eröffnung und Anrufung genannt. Dieser folgt im zweiten Abschnitt eine Phase, die Verkündigung genannt wird und mit dem so genannten Bekenntnis abschließt.</p>
<p>Ohne eine Pause wird im Anschluss drittens die wohl bekannteste Phase des christlichen Gottesdienstes gefeiert: das Abendmahl. Diesem schließt sich viertens die Sendung und sowie der dazu gehörigen Segen an. Nach dieser Phase wird der Gottesdienst für gewöhnlich beendet und die Gemeinde verlässt die Kirche.</p>
<p>Um sich mit dem Thema befassen und Thesen aufstellen zu können, ist eine detaillierte Darstellung des Ablaufs von Nöten. Daher wird im morgigen Artikel veranschaulicht, wie die einzelnen Phasen im Gottesdienst genau ablaufen.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Evangelisches Gottesdienstbuch. Berlin 2001.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (05)</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Jun 2009 03:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Eröffnung
Im Messgottesdienst, einer eher ökumenisch orientierten Gottesdienstform, wird der eigentlichen Verkündigung ein einleitender Teil vorangestellt. Dieser ist je nach Kirche und Pfarrer durch sehr individuelle Handlungen gekennzeichnet. 
Das erklärt sich zum einen dadurch, dass sich jede Kirche, oder aber auch der im Winter stattdessen gelegentlich genutzte Gemeindesaal, von anderen Kirchen oder Sälen in baulicher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Eröffnung</h3>
<p>Im Messgottesdienst, einer eher ökumenisch orientierten Gottesdienstform, wird der eigentlichen Verkündigung ein einleitender Teil vorangestellt. Dieser ist je nach Kirche und Pfarrer durch sehr individuelle Handlungen gekennzeichnet. </p>
<p>Das erklärt sich zum einen dadurch, dass sich jede Kirche, oder aber auch der im Winter stattdessen gelegentlich genutzte Gemeindesaal, von anderen Kirchen oder Sälen in baulicher Weise unterscheidet.<br />
<span id="more-132"></span><br />
Zum anderen liegt es in der Natur der Sache, dass ein Pfarrer, der sehr bemüht um seine Gemeinde ist, einen anderen Stand bei seinen Gemeindemitgliedern hat, als beispielsweise ein Pfarrer einer großen Kirche in einem Urlaubsort, der zwar auch eine große Zahl von Besuchern in seinen Gottesdiensten begrüßen kann, diese aber vermutlich nicht namentlich, sondern wenn überhaupt, nur vom Sehen her kennt.</p>
<p>Es liegt also nicht zu fern, zu behaupten, dass der Raum, also die Kirche und der Veranstalter, demnach der Pfarrer, einen Einfluss auf den ersten Eindruck haben können, den ein Gemeindemitglied beim zumeist sonntäglichen Besuch des Gottesdienstes hat.</p>
<p>Nicht unüblich und sogar ausdrücklich in der Gottesdienstordnung(1) vorgeschlagen ist die Verwendung von einleitender Musik. Da die meisten Kirchenräume über eine Orgel (oder ein Instrument ähnlicher Größenordnung) verfügen dürften, ist hiermit eine Beschallung des Kirchenraumes zu einem genügenden Masse rein technisch durchaus möglich. </p>
<p>Doch auch hier ergibt ein nicht zu unterschätzender Faktor individueller Natur, der in der Person des Musikers liegt, der dieses Instrument bedient. Dieser kann natürlich ein Virtuose auf seinem Gebiet sein. Es kann aber auch genauso gut ein mittelmäßig begabter Musikstudent sein oder ein Gemeindemitglied sein. Diese von diesem Musiker gespielte Musik wird von allen Gemeindemitgliedern beim Eintritt wahrgenommen.</p>
<p>Hierbei muss beachtet werden, dass Pfarrer und Musiker in der Regel die zu spielenden Stücke bereits im Vorfeld gemeinsam ausgesucht haben dürften. Ob die Musik sich nun mit der Grundstimmung der eintretenden Gemeindemitglieder in Einklang bringen lässt oder aber auf Abneigung stößt, lässt sich nicht vorhersagen, sollte jedoch als Faktor in die Überlegungen zur Vorbereitung eines Gottesdienstes miteinbezogen werden. </p>
<p>Wünschenswert ist sicher, dass die erklingende Musik sowie die Begrüßung durch den Pfarrer dem Besucher das Gefühl vermitteln, dass er hier willkommen ist. Denn an dieser Stelle entscheidet sich bereits, ob das Gemeindemitglied den Eindruck hat, als Person wahrgenommen zu werden. </p>
<p>Wenn diese Handlung seitens des Pfarrers erfolgreich ist, dann kann sich in der Folge beim Gläubigen ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrautheit einstellen. Kommt es dazu, dürfte die innere Bereitschaft zur Annahme der im Gottesdienst vermittelten Inhalte um ein Vielfaches größer sein, als wenn diese Grundbedingung nicht erfüllt ist.</p>
<p>In vielen Gemeinden ist zudem eine weitere, vorbereitende Handlung nicht unüblich: das Eingangsgebet. Es dient dem Sinn nach dazu, sich auf den folgenden Gottesdienst innerlich vorzubereiten. Da es der inneren Form nach eine direkte Anrede Gottes darstellt, in der der Gläubige etwa seine Sorgen, Bitten und Wünsche vorträgt, gibt es hierzu keine Vorgaben. </p>
<p>Die Individualität dieses Gebets bringt verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten mit sich: es macht einen Unterschied, ob der Gläubige zu Beginn des Gebets sitzt und ein stilles Gebet spricht oder ob er etwa im Mittelgang stehen bleibt und in mäßiger Lautstärke, sich der Aufmerksamkeit der Anderen sehr wohl bewusst, anfängt zu beten. Die Möglichkeiten zur Selbstinszenierung sind an dieser Stelle sehr vielfältig.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Evangelisches Gottesdienstbuch. Berlin 2001.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (07)</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 03:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Verkündigung und Bekenntnis
Nach einer individuell verschiedenen Anzahl von Liedern und Gebeten folgt dann die zweite Phase des Gottesdienstes: die Verkündigung.
Die Verkündigung selbst kann als eine zentrale Phase des evangelischen Gottesdienstes gesehen werden. Sie unterscheidet sich von den vorherigen Phasen durch eine gewisse Exklusivität.
In der Regel, über einen längeren Zeitraum von Wochen, Monaten oder gar Jahren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Verkündigung und Bekenntnis</h3>
<p>Nach einer individuell verschiedenen Anzahl von Liedern und Gebeten folgt dann die zweite Phase des Gottesdienstes: die Verkündigung.</p>
<p>Die Verkündigung selbst kann als eine zentrale Phase des evangelischen Gottesdienstes gesehen werden. Sie unterscheidet sich von den vorherigen Phasen durch eine gewisse Exklusivität.</p>
<p>In der Regel, über einen längeren Zeitraum von Wochen, Monaten oder gar Jahren gesehen, wird es zu keiner oder kaum einer Änderung sowohl in der in der Durchführung der Begrüßungs- wie auch der Anrufungsphase seitens des Pfarrers und des Gemeindepersonals kommen.<br />
<span id="more-148"></span><br />
Dies mag zum Einen darin begründbar sein, dass dies in der Gottesdienstordnung der evangelischen Landeskirchen nicht vorgesehen ist. Zum Anderen wurde bereits im Vorfeld erklärt, dass eine gleich bleibende Struktur dem Sinn der ersten beiden Phasen des Gottesdienstes in Bezug auf Konstruktion beziehungsweise Rekonstruktion eines Zusammengehörigkeitsgefühls entgegen kommt.</p>
<p>Inhaltlich betrachtet stellt die Phase der Verkündigung demnach eine Art von Improvisationsteil dar, obwohl eine gewisse Grundstruktur durch so genannte Tageslosungen vorgegeben ist. Diese werden deshalb referiert, um den formellen Rahmen, der seitens der Besucher scheinbar erwartet wird, nicht zu verlassen.</p>
<p>In der Regel wird im Messgottesdienst eine Textpassage aus der Bibel verlesen. Um den Übergang zur eigentlichen Predigt zu gewährleisten, wählt der Pfarrer in den meisten Fällen einen aktuellen Bezug.</p>
<p>Das bekannteste Beispiel hierfür ist der alljährlich am 24. Dezember stattfindende Weihnachtsgottesdienst, der auch von Menschen besucht wird, die man nicht unbedingt als regelmäßige Kirchgänger bezeichnen würde.</p>
<p>Realistisch betrachtet könnte man von diesem speziellen Gottesdienst auch sagen, dass es der wohl am besten besuchte Gottesdienst des Jahres in nahezu jeder Kirche des Landes sein dürfte. Der Anlass, auf den sich der Pfarrer an dieser Stelle beziehen dürfte, ist die Geburt Jesu(1), eine Geschichte, die den meisten Besuchern hinlänglich bekannt ist.</p>
<p>Der Pfarrer wird nun die Geschichte der Geburt Jesu und den zu diesem Anlass stattfindenden Gottesdienst als Bezugspunkt seiner Predigt wählen. Die Wahl der von ihm aufzustellenden These, die er anhand weiterer Bibelzitate belegen wird, scheint hierbei relativ frei und nicht vorgegeben zu sein.</p>
<p>Vom Grundtenor ist sie zumeist Folgende: eine Erinnerung an die Grundsätze des Glaubens und der daraus abgeleiteten christlichen Nächstenliebe. Zumeist wird der Predigende dem moralische Weisungen und Anstöße zur Reflektion des eigenen, alltäglichen Verhaltens beistellen.</p>
<p>Nach dieser Vermischung von Textrezension und deren Bezug auf die Alltagsrealität der Gläubigen wird der Predigtteil von Seiten des Pfarrers beendet. Dem folgt als eigenständiger, jedoch wenig variierbarer Teil dieser Phase des Gottesdienstes das Glaubensbekenntnis, welches eine kanonisierte Zustimmung der Gemeinde zum verkündigten Wort Gottes darstellt.</p>
<p>Nicht unüblich ist auch an dieser Stelle, die in der Gemeinde des Weiteren vorhandenen Ressourcen wie beispielsweise einen Chor oder eventuell vorhandene Instrumentalmusiker zur akustischen Untermalung mit einzubeziehen.</p>
<p>Unterstrichen wird die Zustimmung noch durch das Dankopfer und die Fürbitten. Das Dankopfer ist auch als Kollekte bekannt. Die Kollekte soll dazu beitragen, den Notleidenden zu helfen. Die Fürbitten dienen dazu, den Wunsch nach Frieden und Erfüllung im Glauben nochmals zu betonen.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Neues Testament, vgl. Lukas 2,7 &amp; Matthäus 11,29</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (08)</title>
		<link>http://www.michael-hausdorf.de/?p=150</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Jul 2009 03:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Abendmahl
Während diese Phase beim Predigtgottesdienst eher von dezentraler Bedeutung zu sein scheint und daher in den meisten Fällen weggelassen wird, ist das Abendmahl im Messgottesdienst von dominant-zentraler Bedeutung.

Um den Sinn dieser Phase deutlich zu machen, ist ein Blick in das Lukas-Evangelium(1) des neuen Testaments sinnvoll:
Und er sprach zu ihnen: Mit Sehnsucht habe ich mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das Abendmahl</h3>
<p>Während diese Phase beim Predigtgottesdienst eher von dezentraler Bedeutung zu sein scheint und daher in den meisten Fällen weggelassen wird, ist das Abendmahl im Messgottesdienst von dominant-zentraler Bedeutung.<br />
<span id="more-150"></span><br />
Um den Sinn dieser Phase deutlich zu machen, ist ein Blick in das Lukas-Evangelium(1) des neuen Testaments sinnvoll:</p>
<blockquote><p>Und er sprach zu ihnen: Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Passah mit euch zu essen, ehe ich leide. Denn ich sage euch, dass ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis es erfüllt sein wird im Reiche Gottes. Und er nahm einen Kelch, dankte und sprach: Nehmet diesen und teilet ihn unter euch. Denn ich sage euch, dass ich nicht von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde, bis das Reich Gottes komme. Und er nahm Brot, dankte, brach und gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird; dieses tut zu meinem Gedächtnis! Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahle und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute, das für euch vergossen wird.</p></blockquote>
<p>Aus dieser Textstelle erklärt sich der Ursprung des Abendmahls. Es ist demnach eine Art von Rückbesinnung auf das Handeln von Jesus Christus.</p>
<p>Der Pfarrer wird sich zur Einleitung dieses Teils entweder vor den Altar stellen oder aber den Weg hinter den Altar nehmen und sich dann frontal zur Gemeinde ausrichten. </p>
<p>Eine Besonderheit besteht an dieser Stelle: Während es jedem Besucher, gleich welcher Glaubensrichtung frei steht, sich an den Liedern und Gebeten zu beteiligen, ist das Abendmahl durch eine gewisse Exklusivität gekennzeichnet.</p>
<p>Die Teilnahmebedingung hierfür ist, dass man einen offiziellen Status von Mitgliedschaft in der christlichen Kirche hat, dass man also im Vorfeld durch ein Initialritual bestätigt wurde.</p>
<p>Die evangelische Kirche in solchen Aspekten sehr ökumenisch. Es scheint heutzutage keine Rolle mehr zu spielen, wie die bestätigte Zugehörigkeit erlangt wurde.</p>
<p>Es ist dabei nur erheblich, dass der Teilnehmende die so genannte „Heilige Taufe“ empfangen hat. Ob diese nun in einer katholischen oder evangelischen Kirche oder vielleicht auch in einer Freikirche wie einer Baptistengemeinde empfangen wurde, ist dabei nicht weiter von Belang. Eine Firmung, Kommunion oder Konfirmation ist zwar wünschenswert, jedoch nicht zwingend erforderlich.</p>
<p>Nachdem der Pfarrer sich, wie zuvor erwähnt, an entsprechender Stelle positioniert hat, wird ihm von einem Gottesdiensthelfer ein Kelch mit Wein sowie ein Teller mit Oblaten oder Brotstücken gereicht werden.</p>
<p>Zeitgleich kommen die zum zuvor erwähnten Personenkreis zugehörigen Personen nach vorne zum Altar und bilden dort um den Pfarrer einen Halbkreis, dem sich bei einer größeren Personenzahl von hinten eine Warteschlange anschließt, die nach Abschluss der folgenden Aktion nachrückt und das Selbe in eigener Person nochmals nachvollzieht, falls eingangs nicht genug Platz für alle war.</p>
<p>Der Pfarrer spricht nun die Worte von Jesus Christus, wie sie im Lukas-Evangelium niedergeschrieben sind(1). Um das Ganze gestisch zu unterstützen, segnet er entweder die Oblaten oder bricht ein Stück Brot in zwei Hälften.</p>
<p>Danach trinkt er einen Schluck aus dem Weinkelch. Dem schließt er die in der Heiligen Schrift überlieferte Austeilung von Wein und Brot an. Nachdem die Gläubigen das Abendmahl empfangen haben, begeben sie sich zurück in die Bankreihen zu ihren Plätzen.</p>
<p>Diese Phase ist neben dem Eingangsgebet die Einzige, in der die Gemeinde durch Handlungen von einzelnen Mitgliedern repräsentiert wird. In den anderen Phasen handelt die Gemeinde als Ganzes. Das Abendmahl ist der Höhepunkt des Gottesdienstes und kündigt zugleich das baldige Ende desselben an.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Neues Testament vgl. Lukas 22,15ff.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (10)</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Jul 2009 07:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zeichensysteme
In den vorherigen Artikeln ist in groben Zügen die Struktur eines Gottesdienstes dargestellt worden. Randbemerkungen zur Andeutung von Parallelen zum Theater wurden gemacht, doch ist damit noch längst nicht bestimmt, ob es sich bei einem evangelischen Gottesdienst wirklich um eine Aufführung im eigentlichen Sinne handelt.
Um dies nachzuweisen, ist es unabdinglich, ein Axiom(1) anzunehmen. Wenn nachgewiesen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Zeichensysteme</h3>
<p>In den vorherigen Artikeln ist in groben Zügen die Struktur eines Gottesdienstes dargestellt worden. Randbemerkungen zur Andeutung von Parallelen zum Theater wurden gemacht, doch ist damit noch längst nicht bestimmt, ob es sich bei einem evangelischen Gottesdienst wirklich um eine Aufführung im eigentlichen Sinne handelt.</p>
<p>Um dies nachzuweisen, ist es unabdinglich, ein Axiom(1) anzunehmen. Wenn nachgewiesen wird, dass es sich um eine Inszenierung handelt, dann kann von einer Aufführung ausgegangen werden.</p>
<p>Um nachzuweisen, dass es sich um eine Inszenierung handelt, muss die Inszenierung deduktiv auf ihre einzelnen Bestandteile hin betrachtet werden. Diese müssen separat voneinander betrachtet werden, um dann in einem zweiten Schritt induktiv auf die Inszenierung zurück schließen zu können.</p>
<p><span id="more-176"></span></p>
<p>Ist so eine Inszenierung und in der Folge eine Aufführung nachweisbar, dann kann davon ausgegangen werden, dass es möglich ist, mit den Methoden der Theaterwissenschaft die Inszenierung eines evangelischen Gottesdienst zu analysieren.</p>
<p>Somit wäre die These bewiesen, die Frau Fischer-Lichte schon in Bezug auf die Politik als Gegenstand der Betrachtung bewiesen hat.</p>
<p>Um die einzelnen Bestandteile einer Inszenierung zu untersuchen, erscheint die Systematisierung theatraler Zeichen nach Kowzan(2) als sinnvolles Hilfsmittel. Tadeusz Kowzan unterteilt die Zeichensysteme im Theater nach visuellen und akustischen Zeichen.</p>
<p>Diese Oberkategorien sind nochmals unterteilt nach darstellerbezogenen und raumbezogenen Zeichen. Dieses Modell wurde später von Fischer-Lichte und Elam(3) modifiziert, jedoch nicht grundlegend verändert.</p>
<p>Erika Fischer-Lichte hat weitere Unterteilungen beziehungsweise Kategorisierungen vorgenommen(4), beispielsweise nach den Gegensatzpaaren „transitorisch“ und „lang andauernd“. Transitorisch ist hier auf die darstellerbezogenen Zeichensysteme zu beziehen, lang andauernd eher auf die raumbezogenen Zeichensysteme.</p>
<p>Diese weitere Untergliederung laut Fischer-Lichte erscheint aber aufgrund der Komplexität der hier vermuteten Inszenierung zu feingliedrig und wird daher nicht weiter einbezogen werden.</p>
<p>Zu den visuellen, darstellerbezogenen Zeichen zählen laut Kowzan Mimik, Gestik, Bewegung, Schminke, Frisur und Kostüm. Zu den visuellen, raumbezogenen Zeichen dagegen das, was einen eigentlichen Bühnenraum ausmacht, nämlich Requisiten, Bühnenbild sowie die Beleuchtung.</p>
<p>Interessant ist hierbei, dass die zuvor erwähnten akustischen Zeichensysteme auf beide Unterkategorien, also sowohl darstellerbezogen wie auch raumbezogen angewendet werden können. Hier legt Kowzan besonderen Wert auf die Betrachtung von Sprache, Ton, Musik und Geräuschen.</p>
<p>Um einen evangelischen Gottesdienst überhaupt auf die darstellerbezogenen Zeichensysteme hin untersuchen zu können, ergibt sich hier des Weiteren die Frage, welche Personen als Darsteller betrachtet werden können, ob man einzig den Pfarrer und das Gemeindepersonal als Darsteller betrachtet oder die gesamte Gemeinde etwa.</p>
<p>Davon abhängig scheint auch die Frage, ob es überhaupt so etwas wie einen Bühnenraum gibt oder ob man in diesem Fall nicht eher von einer Art von „environmental theatre“(5), also einer Vermischung von Bühne und Zuschauerraum, ausgehen kann und sollte.</p>
<p>Dies soll in den Artikeln, die in den folgenden Tagen veröffentlicht werden, näher untersucht werden.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Hilbert, David (Hrsg.):Grundzüge der theoretischen Logik, 6. Auflage. Berlin 1972. S.24f.</p>
<p>(2) Kowzan, Tadeusz: The Sign in the Theatre. In: Diogenes 61. Zürich 1968. S.52 – 80.</p>
<p>(3) Elam, Keir: The Semiotics of Theatre and Drama. London 1980.</p>
<p>(4) Fischer-Lichte, Erika: Das System der theatralischen Zeichen: Semiotik des Theaters. Band 1. Tübingen 1983.</p>
<p>(5) Carlson, Marvin: Places of Performance: The Semiotics of Theatre Architecture. Ithaca/London 1984.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (11)</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Jul 2009 07:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Person und Rolle
Im vorherigen Artikel wurde die Frage aufgeworfen, auf welche Personengruppe sich die Systematik der darstellerbezogenen Zeichensysteme anwenden lässt. 
Es ist durchaus denkbar, diese Fragestellung auf den Pfarrer alleine zu beschränken, da er die Person mit dem größten Anteil an Handlung und Text ist. In diesem Fall wird davon ausgegangen, dass der Pfarrer eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Person und Rolle</h3>
<p>Im vorherigen Artikel wurde die Frage aufgeworfen, auf welche Personengruppe sich die Systematik der darstellerbezogenen Zeichensysteme anwenden lässt. </p>
<p>Es ist durchaus denkbar, diese Fragestellung auf den Pfarrer alleine zu beschränken, da er die Person mit dem größten Anteil an Handlung und Text ist. In diesem Fall wird davon ausgegangen, dass der Pfarrer eine vorgegebene Rolle spielt.</p>
<p>Um dies nachzuweisen, liegt es nahe, sich auf eine bekannte Definition der Theatralität von Eric Bentley zu beziehen. Zu beachten ist hier, dass Bentley hier aus dem entgegen gesetztem Blickwinkel dieser Arbeit argumentiert.<br />
<span id="more-184"></span><br />
Sein Ansatzpunkt ist eine nachgewiesene, bereits bestehende Aufführungssituation. Davon ausgehend, definiert er die Ausgangslage, in der sich die Darstellung einer Rolle definiert: „The theatrical situation reduced to a minimum, is that A impersonates B, while C looks on“(1). </p>
<p>Das heißt nichts anderes, als dass es Jemanden gibt, hier Person A genannt, der eine Person B, also eine Rolle, für Jemand Anderen, eine Person oder eine Gruppe C, darstellt. Voraussetzung hierzu ist, dass Person/Gruppe C erkennt, dass Person A Person B nur spielt, also dass Person A im realen Leben nicht mit Person B gleich zu setzen ist.</p>
<p>So passend diese Definition für die Darstellung einer Rolle in einem Theaterstück ist, so wenig schlüssig ist sie jedoch für einen evangelischen Gottesdienst: Der Pfarrer wird sicherlich auf Nachfrage hin abstreiten, dass er nur eine Rolle spielt. </p>
<p>Zwar spielt dieser eine Art von Rolle, diese kann aber als größtenteils deckungsgleich mit der Person und dessen innerer Einstellung und Motivation gesehen werden.</p>
<p>Das hängt damit zusammen, dass die Übernahme eines Pfarramtes eine Art von Lebensaufgabe darstellt und als Tätigkeit im Dienste des evangelischen Glaubens und dessen Pflege und Fortbestand gesehen wird. </p>
<p>Zum anderen wäre es dann eben so sinnvoll, die Gemeindemitarbeiter, wie etwa den in meisten Fällen sicherlich vorhandenen Orgelspieler sowie weitere Helfer, vielleicht einen unter Umständen vorhandenen Chor oder auch den Küster in eine Betrachtung gemäß der Definition von Eric Bentley mit einzubeziehen. </p>
<p>Diese Auswahl lässt sich dadurch begründen, dass diese Personen den Gottesdienst durch ihren Beitrag aktiv mitgestalten. Wenn man so weit gehen möchte, könnte man diesen Kreis als das Ensemble des Gottesdienstes bezeichnen.</p>
<p>Letzten Endes muss man diese Definitionshilfe jedoch vollends verwerfen, wenn man die Person beziehungsweise Gruppe C ermitteln will. Die Gottesdienstbesucher gestalten den Gottesdienst mit. </p>
<p>Das kann beispielsweise durch die individuellen Handlungen des Eingangsgebets sowie durch die Teilnahme am Abendmahl geschehen. Auch gemeinschaftliche Handlungen, wie etwa das gemeinsame Beten oder Singen eines Liedes sind wichtige Elemente des Gottesdienstes, in denen die Gemeinde als Gruppe A eine Rolle B, nämlich die betende Gemeinde, für den Zuschauer C, der gemäß ihrer Vorstellung nach Gott sein dürfte, vorträgt. </p>
<p>Wie zuvor wirkt die Definition von Eric Bentley hier auch nicht ganz schlüssig.</p>
<p>Anhand dieser Ausführung wird deutlich, dass die Darstellung einer vorgegebenen Rolle sowie die Rezeption derselben im Falle des evangelischen Gottesdienstes offensichtlich wechselseitig passieren. </p>
<p>Zudem scheint eine Vermischung von Person und Rolle statt zu finden. Es erscheint nötig, zur Klärung dieses Sachverhalts im morgigen Artikel ein weiteres Beispiel zu Rate zu ziehen.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Bentley, Eric: Das lebendige Drama. Eine elementare Dramaturgie. Deutsch von Walter Hasenclever. Velber bei Hannover 1967.</p>
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		<title>Serie: Theater &amp; Religion (12)</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Jul 2009 07:00:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein historisches Beispiel
Wie zuvor dargestellt, ist es problematisch, in Bezug auf einen evangelischen Gottesdienst die Bereiche Person und Rolle zu trennen. Das wirft allerdings auch die Vermutung auf, dass eben diese Untrennbarkeit der Schlüssel zur Analyse der darstellerbezogenen Zeichensysteme nach Kowzan(1) zu sein scheint.
Es erscheint daher unzweckmäßig, die Herleitung einzig und allein auf bloße theoretische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Ein historisches Beispiel</h3>
<p>Wie zuvor dargestellt, ist es problematisch, in Bezug auf einen evangelischen Gottesdienst die Bereiche Person und Rolle zu trennen. Das wirft allerdings auch die Vermutung auf, dass eben diese Untrennbarkeit der Schlüssel zur Analyse der darstellerbezogenen Zeichensysteme nach Kowzan(1) zu sein scheint.</p>
<p>Es erscheint daher unzweckmäßig, die Herleitung einzig und allein auf bloße theoretische Logik zu verlagern. Bei Nachforschungen zu dem vermuteten Zusammenhang fiel der Blick auf eine historische Epoche oder besser gesagt, eine Person einer historischen Epoche, die in diesem Kontext durch ihr Leben und Handeln eine Verbindung zwischen Person und Rolle geschaffen hat.<br />
<span id="more-192"></span><br />
Die Rede ist von König Ludwig XIV. von Frankreich, vielen auch besser bekannt als der „Sonnenkönig“. Ludwig ist durch viele politische Inszenierungen in den Jahren 1660 bis 1664, die im Ablauf von Vorneherein bis in das wohl winzigste Detail geplant wurden, zu seinem bis heute anhaltenden Bekanntheitsgrad gelangt. </p>
<p>Diese Inszenierungen, „deren einzelne Elemente mit symbolischer Bedeutung aufgeladen“(2) waren, fand in diesem Zeitraum in der breiten Öffentlichkeit statt. Die Zuschauer waren hierbei, ähnlich einer Theateraufführung, als fester Bestandteil eingeplant.</p>
<p>Peter Burke(3) hat zu dieser Thematik ein weit rezensiertes Werk geschrieben, in dem er beschreibt, wie die zuvor erwähnten Inszenierungen nach 1664 vom Tag in die Nacht und aus der Öffentlichkeit in einen in diesem Vergleich als privat zu bezeichnenden Rahmen, nämlich in die zum königlichen Schloss von Versailles gehörenden Gärten von Versailles verlegt wurden. </p>
<p>An diesen Inszenierungen, die nun den Charakter höfischer Feste hatten, nahm nun auch nicht mehr jeder Beliebige, sprich das Volk, teil. Stattdessen beschränkte sich der Kreis der Erwünschten und Zugelassenen auf Angehörige des Hofes sowie Gesandte und Gäste aus dem Ausland.</p>
<p>Die Vergleichbarkeit zum Gottesdienst besteht hier in einem gewissen Masse: die evangelischen Gottesdienste finden in der Regel nicht auf der Straße, sondern an bestimmten Plätzen, meistens in abgegrenzten Kirchenräumen statt. </p>
<p>Die Menschen, die eine Kirche besuchen, sind entweder der Glaubensrichtung zugehörige Mitglieder der Kirche oder aber gern gesehene Gäste von außerhalb. </p>
<p>Inwiefern weitere Gemeinsamkeiten vorhanden sind, soll im morgigen Artikel geklärt werden.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Kowzan, Tadeusz: The Sign in the Theatre. In: Diogenes 61. Zürich 1968. S.52 – 80. </p>
<p>(2) Fischer-Lichte, Erika: Politik als Inszenierung. In: Schriftenreihe des Niedersächsischen Landtags zu Themen, die der Öffentlichkeit von Interesse sind. Heft 45. Hannover 2002.</p>
<p>(3) Burke, Peter: Ludwig XIV : Die Inszenierung des Sonnenkönigs. Aus dem Englischen übersetzt. Berlin 1993.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (14)</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 07:00:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bühne und Raum
Im vorherigen Artikel ist nachgewiesen worden, dass eine Überschneidung zwischen der darstellenden Person und der dargestellten Rolle kein Ausschlusskriterium für eine darstellerbezogene Systematisierung theatraler Zeichen in Bezug auf einen evangelischen Gottesdienst ist.
Des Weiteren wurde erwähnt, in welchem Rahmen diese Rollendarstellung zustande kommen kann: Die Darsteller bewegen sich innerhalb einer autonomen, künstlich geschaffenen Welt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Bühne und Raum</h3>
<p>Im vorherigen Artikel ist nachgewiesen worden, dass eine Überschneidung zwischen der darstellenden Person und der dargestellten Rolle kein Ausschlusskriterium für eine darstellerbezogene Systematisierung theatraler Zeichen in Bezug auf einen evangelischen Gottesdienst ist.</p>
<p>Des Weiteren wurde erwähnt, in welchem Rahmen diese Rollendarstellung zustande kommen kann: Die Darsteller bewegen sich innerhalb einer autonomen, künstlich geschaffenen Welt, die sich vor Allem dadurch auszeichnet, dass sie autonom zu sein scheint und sich dadurch von realen Alltagswelt abgrenzt.</p>
<p>Es wurde im Vorfeld die Frage gestellt, inwiefern sich in dieser Folge die raumbezogene Systematisierung theatraler Zeichen nach Kowzan auf den Kirchenraum beziehen lässt.<br />
<span id="more-203"></span><br />
Mircea Eliade(1) hat in Bezug auf den heiligen Raum, nichts anderes ist der Innenraum einer evangelischen Kirche für die Gläubigen, eine in diesem Kontext interessante Theorie aufgestellt.</p>
<p>Laut Eliade unterscheidet sich der Kirchenraum vom normalen Raum dadurch, dass in ihm etwas, was er „Manifestation des Heiligen“ nennt, sein Zentrum hat. Dies findet seine Begründung unter Anderem darin, dass sich dieser heilige Raum vom so genannten profanen Raum unterscheidet. Profan meint in diesem Kontext einen Raum, der keine religiösen Merkmale hat beziehungsweise Voraussetzungen erfüllt.</p>
<p>Da der profane Raum homogen ist, besteht für die Gläubigen eine Art von Orientierungsnotwendigkeit, der durch den heiligen Raum gewährleistet werden kann.</p>
<p>Der heilige Raum hingegen ist abgegrenzt und kann nur durch eine Schwelle, in unserem Falle eine Tür, betreten werden.</p>
<p>Symbolisch betrachtet stellt diese Tür einen Übergang von der Alltagswelt in die Gemeinschaft derer, die denselben Glauben haben, dar.</p>
<p>Dieser Ort seinerseits, von Eliade auch als Theophanie bezeichnet, stellt im Leben der Gläubigen einen zentralen Punkt dar. Begründet wird dies durch einen Rückschluss auf die Anfänge unserer Zivilisation, als unser gesellschaftliches Miteinander bestenfalls als archaisch zu bezeichnen war.<br />
Heilige Orte wurden zu dieser Zeit, genau wie heutzutage, durch Zeichen definiert.</p>
<p>Eliade erkennt das Grundbedürfnis der  Menschen, einer Verbindung zwischen Himmel und Erde nahe zu sein und legt dar, dass dies beispielsweise durch eine Säule, einen Berg, einen Baum oder aber auch einen Kirchturm dargestellt ist.</p>
<p>Da für den Menschen das, was er glaubt, der Realität entspricht, ist der heilige Ort somit der Mittelpunkt seiner Realität. Daraus erklärt sich auch das menschliche Bedürfnis, der axis mundi(2), also seinem persönlichen heiligen Raum,  nahe sein zu wollen.</p>
<p>Damit ist zwar noch nicht geklärt, wie der heilige Raum eigentlich beschaffen ist, aber zumindest, was er eigentlich ist. Um seine Funktion zu ergründen, ist eine Ausführung des Begriffs der Heiligen Zeit nach Eliade nötig, die er seiner Beschreibung des Heiligen Raumes anschließt.</p>
<p>Die heilige Zeit ist für einen religiösen Menschen wie der heilige Raum nicht homogen oder stetig. Dazu morgen mehr &#8230;</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Eliade, Mircea: Das Heilige und das Profane : vom Wesen des Religiösen. Frankfurt am Main 1990.<br />
(2) aus dem Lateinischen stammender Begriff, bedeutet soviel wie „Weltachse“ bzw. Weltmittelpunkt</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (16)</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Jul 2009 07:00:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anwendbarkeit des Axioms
Wie in den letzten Artikeln bereits erwähnt, kann man Jens Roselt(1) zufolge von einer Inszenierung sprechen, wenn alle Zeichensysteme des Theaters Verwendung finden. 
Daher wurde nachgewiesen, dass eine semiotische Analyse unter Verwendung der Systematisierung theatraler Zeichen nach Kowzan(2) möglich ist.

Zum Nachweis wurden sowohl theatertheoretische wie auch philosophische und historische Bezüge gewählt, die eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Anwendbarkeit des Axioms</h3>
<p>Wie in den letzten Artikeln bereits erwähnt, kann man Jens Roselt(1) zufolge von einer Inszenierung sprechen, wenn alle Zeichensysteme des Theaters Verwendung finden. </p>
<p>Daher wurde nachgewiesen, dass eine semiotische Analyse unter Verwendung der Systematisierung theatraler Zeichen nach Kowzan(2) möglich ist.<br />
<span id="more-219"></span><br />
Zum Nachweis wurden sowohl theatertheoretische wie auch philosophische und historische Bezüge gewählt, die eine Vergleichbarkeit überhaupt ermöglichten. Sowohl Darsteller als auch Raum eines evangelischen Gottesdienstes sind demnach mit einer aus der Theaterwissenschaft stammenden Methodik erfassbar.</p>
<p>Wie zuvor angenommen, lässt dies darauf schließen, dass es sich um die Aufführung einer Inszenierung handelt. Es wurde anhand von Bentley(3) und Burke(4) nachgewiesen, dass es sich bei einem evangelischen Gottesdienst um einen interaktiven Prozess handeln muss. </p>
<p>Dadurch wird die zweite Forderung nach Roselt erfüllt: „Produktion und Rezeption laufen gleichzeitig ab und bedingen einander. Das heißt, eine Aufführung entsteht in der Interaktion ihrer Teilnehmer.“ </p>
<p>Zudem wird auch die dritte Forderung Roselts erfüllt: es wird eine „soziale Gemeinschaft auf Zeit“ gestiftet, die insbesondere auch durch den Raum zustande kommt. Dies wurde durch die Bezugnahme auf die Theorien von Eliade(5) zum heiligen Raum und dessen Zusammenhang mit der heiligen Zeit nachgewiesen.</p>
<p>Es hat sich zwar als deutlich schwieriger erwiesen, einen evangelischen Gottesdienst als Ganzes zu betrachten als den kurzen Auftritt eines einzelnen Politikers zu erfassen, jedoch wurde nachgewiesen, dass der Ansatz von Frau Fischer-Lichte, wie sie ihn in ihrem Vortrag dargestellt hat, in diesem Bereich ebenfalls Verwendung finden kann.</p>
<p>Wozu nun die vielen Worte? In meinem morgigen Artikel werde ich die Quintessenz vom Staube ziehen und diese Serie abschließen.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Roselt, Jens: Kreatives Zuschauen. Zur Phänomenologie von Erfahrungen im Theater. In: Der Deutschunterricht: Beiträge zu seiner Praxis und wissenschaftlichen Grundlegung, Heft 2, Stuttgart 2004. S. 46 – 56. </p>
<p>(2) Kowzan, Tadeusz: The Sign in the Theatre. In: Diogenes 61. Zürich 1968. S.52 – 80. </p>
<p>(3) Bentley, Eric: Das lebendige Drama. Eine elementare Dramaturgie. Deutsch von Walter Hasenclever. Velber bei Hannover 1967.</p>
<p>(4) Burke, Peter: Ludwig XIV : Die Inszenierung des Sonnenkönigs. Aus dem Englischen übersetzt. Berlin 1993.</p>
<p>(5) Eliade, Mircea: Das Heilige und das Profane : vom Wesen des Religiösen. Frankfurt am Main 1990.</p>
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