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	<title>Michael Hausdorf &#187; Michael Hausdorf</title>
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		<title>Serie: Theater und Religion (01)</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Jun 2009 10:53:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Theater und Theatralität
In unserem Sprachgebrauch wird der Begriff Theater zumeist eindeutig als Bezeichnung für ein Gebäude oder eine spezielle Richtung der Darstellenden Kunst verwendet. Ein jeder weiß, was ein Theater ist und dass in einem Theater eine oder mehrere Personen ein Theaterstück für andere Personen spielen.
Verbreitet ist auch der Ausspruch „Was für ein Theater!“, meist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Theater und Theatralität</h3>
<p>In unserem Sprachgebrauch wird der Begriff Theater zumeist eindeutig als Bezeichnung für ein Gebäude oder eine spezielle Richtung der Darstellenden Kunst verwendet. Ein jeder weiß, was ein Theater ist und dass in einem Theater eine oder mehrere Personen ein Theaterstück für andere Personen spielen.</p>
<p>Verbreitet ist auch der Ausspruch „Was für ein Theater!“, meist eher nicht in Verwendung ob des Lobes an die Qualität einer etablierten Spielstätte, sondern um eine alltägliche Begebenheit zu beschreiben. Eine Situation, die hervorsticht durch besondere Momente. Etwas, dass diese Situation von der gemeinen Situation des schnöden Alltags unterscheidet.</p>
<p>Und letzten Endes kommt es dann und wann vor, dass Jemand meint, dass ihm ein Anderer  „ein Theater vorspiele“. Also eine Situation, die zum Einen durchschaubar gemimt sei und zum Anderen nicht die Wirklichkeit, die sie vorgibt, abbildet.</p>
<p>Um Theater nun nicht aus seiner ursprünglichen Begrifflichkeit lösen zu müssen und um dennoch über Phänomene reden zu können, die in offensichtlich engem Kontext hierzu stehen, hat sich mit der Zeit ein Begriff eingebürgert, der bis heute Verwendung findet, nämlich der der Theatralität.</p>
<p><span id="more-54"></span></p>
<p>Seit langer Zeit beschäftigen sich Theaterwissenschaftler in diesem Kontext auch mit Erscheinungen des Theaters, die außerhalb fester Spielstätten aufgetreten, nämlich Erscheinungen, die man kurz unter der Formel „Kult, Fest, Feier, Zeremonie, Ritual“(1) zusammenfassen kann.</p>
<p>Neben der Theaterwissenschaft wird der Begriff der Theatralität auch in anderen Wissenschaften wie der Psychologie, Philosophie, Anthropologie oder aber auch den Kunst- und Kulturwissenschaften verwendet.</p>
<p>Diese Fachdisziplinen beschreiben damit meistens „mehrdeutige Beziehungen zwischen Gegenständen, Personen und Aktionen“(1). Allerdings ist an dieser Verwendung eine ähnlich inflationäre Handhabungsweise, wie sie dem Begriff „Theater“ widerfahren ist, zu ersehen.</p>
<p>Es werden im interdisziplinären Gebrauch Vorgänge durch Theatralität beschrieben, die theaterähnlich zu sein scheinen, die gewisse Assoziationen zum Theater wecken.</p>
<p>Mehr als ein Jahrzehnt ist es nun her, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft zu einer Tagung zum Thema „Theatralität“ Vertreter unterschiedlicher Fachrichtungen eingeladen hat, um der Theaterwissenschaft die Möglichkeit zu geben, sich mit diesen über die eigentliche Bedeutung des Begriffs zu verständigen.</p>
<p>Thematisiert wurde dort unter anderem, inwieweit sich beim Auftritt des aktuellen Kanzlerkandidaten der SPD in der Öffentlichkeit von Theatralität sprechen lasse. Entsetzt meldete sich an dieser Stelle die Autorin Sybille Wirsing(2) zu Wort.</p>
<p>Ihrer Meinung nach seien jetzt schon „Generalzweifel an dem Projekt“ anzumelden, da die „die Erforschung des politischen Gebarens den Rahmen der Zuständigkeit der Theaterwissenschaft“ überschreitet.</p>
<p>In diesem Fall ging es um einen Auftritt Gerhard Schröders, der immerhin „ein hochgradiges Politikum“ sei und man spreche „von Leuten, auf deren Schultern zum Beispiel die Bundesrepublik ruht“. Dieses zu beurteilen, oder gar zu analysieren, fiele ihrer Meinung nach „nicht in die Kompetenz von Theaterwissenschaftlern“.</p>
<p>Augenfällig an diesem Zitat ist, dass Wirsing keinen klaren Bezug zum eigentlichen Gegenstand der Tagung, nämlich der Findung einer gemeinsamen Definition von Theatralität, her stellt. Inwiefern das dem eigentlichen Thema dienlich sein wird, werde ich im morgigen Artikel darstellen.</p>
<h4>Quellen:</h4>
<p>(1) Kotte, Andreas: Theaterwissenschaft. 324 S. Wien 2005.</p>
<p>(2)  Frankfurter Allgemeine Zeitung. „Nicht alles ist Kultur, aber alles ist Theater?“ In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.Juni 1997, Nr. 122, S. 42. Zitiert nach <a href="http://fazarchiv.faz.net/webcgi?START=A11&amp;T_SEITE=9&amp;WID=16543-2470297-11101_14" target="_blank">FAZ Archiv</a>, letzter Besuch: 25. Juni 2007, 14:25 MEZ</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (02)</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Jun 2009 05:11:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Politik als Inszenierung]]></category>
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		<description><![CDATA[Politik als Inszenierung
Sieht man einmal von der durch Wirsing ausgedrückten Geringschätzung der gastgebenden Fachdisziplin ab, dann wird hier unbeabsichtigt ein weitaus größerer und bedeutenderer Themenkomplex angesprochen: es gibt bis heute keine eindeutige Definition des Begriffs Theatralität.
Kann man dennoch davon ausgehen, dass Theorien, Begrifflichkeiten und Sichtweisen der Theaterwissenschaft deswegen trotzdem auf andere Bereiche als das Theater [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Politik als Inszenierung</h3>
<p>Sieht man einmal von der durch Wirsing ausgedrückten Geringschätzung der gastgebenden Fachdisziplin ab, dann wird hier unbeabsichtigt ein weitaus größerer und bedeutenderer Themenkomplex angesprochen: es gibt bis heute keine eindeutige Definition des Begriffs Theatralität.</p>
<p>Kann man dennoch davon ausgehen, dass Theorien, Begrifflichkeiten und Sichtweisen der Theaterwissenschaft deswegen trotzdem auf andere Bereiche als das Theater anwendbar sind?</p>
<p>Ist es vertretbar, dass sich Theaterwissenschaftler auch mit anderen Gegenständen wie der Tagespolitik oder dem Gebaren eines Politikers beschäftigen und eine im wissenschaftlichen Diskurs um ein solches Thema von anderen Disziplinen respektierbare Meinung einnehmen können?<br />
<span id="more-62"></span><br />
Erika Fischer-Lichte thematisiert dies ungefähr ein Jahr nach der zuvor zitierten Tagung in einem Vortrag, zu dem sie bezeichnenderweise vom Präsidenten des Niedersächsischen Landtags 1999 eingeladen wurde. </p>
<p>Im Rahmen eines Vortragsabends in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen trug sie vor(1), warum ein Theaterwissenschaftler sehr wohl in der Lage sei, anhand von zuvor gestellten Thesen und Definitionen einen Prozess zu analysieren, der vom Gegenstand her dem eigentlichen Fachgebiet fremd ist.</p>
<p>Das Thema dieses Vortrags lautet „Politik als Inszenierung“. Um eine für diesen Kontext verwendbare Herleitung des Begriffs „Inszenierung“ zu finden, referiert sie Thesen des Politologen Herfried Münker(2).</p>
<p>Dieser geht davon aus, dass inszenierte Politik gefährlich ist, und begründet dies mit zwei grundlegenden Thesen: Der so genannten „Manipulationsthese“ sowie  der davon abhängigen „Irrelevanzthese“.</p>
<p>Die Manipulationsthese beschreibt prägnant die Gefahr, dass gegebene politische Macht aus Eigennutz missbraucht wird, sei es nun aus wirtschaftlichen oder ideologischen Gründen.</p>
<p>Die Irrelevanzthese elaboriert in Bezug darauf den Trend, dass im Zuge der in den letzten Jahrzehnten stark fortgeschrittenen Globalisierung ein Einbuße in Bezug auf die Bedeutung von lokalen und nationalen Politikern entstanden ist und diese Politiker sich daher dazu gezwungen sehen, ihre Person zu inszenieren, um die eigene Irrelevanz im internationalen Kontext vor der nationalen Öffentlichkeit nicht eingestehen zu müssen.</p>
<p>Anhand dieser beiden Thesen stellt Fischer-Lichte die Frage in den Raum, ob Inszenierungen von Politik respektive politischen Handlungen an sich eine Indikator dafür seien, dass unsere heute bestehende Demokratie in Gefahr ist, wenn sie nicht mehr wie in früheren Zeiten selbstbegründend sei.</p>
<p>Sie führt hierzu mehrere prägnante Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart vor und zeigt, dass Politik und politische Handlungen schon immer, mal mehr, mal weniger, Inszenierungen gewesen sind und sich daher auch mit den Methoden der Theaterwissenschaft untersuchen lassen.</p>
<p>Eine gefällige Anekdote dieses Vortrags ist, dass das Beispiel, mit dem sie letzten Endes den aktuellen Bezug herstellt, die Benennung Gerhard Schröders zum Kanzlerkandidaten der SPD des Leipziger Parteitags im April 1998 ist.</p>
<p>Eben jenes „hochgradigen Politikums“, dem Wirsing zugesprochen hatte, dass auf  keinen Fall „in die Kompetenz von Theaterwissenschaftlern“ falle, dessen Auftreten in der Öffentlichkeit zu beurteilen.</p>
<p>Fischer-Lichte beweist an dieser Stelle auf äußerst logische wie auch charmante Weise, dass es mit den Methoden der Theaterwissenschaft möglich sein kann, auch der Fachdisziplin fremde Gegenstände zu analysieren.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Fischer-Lichte, Erika: Politik als Inszenierung. In: Schriftenreihe des Niedersächsischen Landtags zu Themen, die der Öffentlichkeit von Interesse sind. Heft 45. Hannover 2002.</p>
<p>(2) Frankfurter Allgemeine Zeitung. Münkler, Herfried: Ruhe auf den billigen Plätzen! Erziehung oder Unterhaltung? Im großen Polittheater sind nur noch Quoten die Währung, und die Inszenierung ist alles – bedeutet die Sache gar nichts mehr? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26. Juli 2001, Nr. 171, S.46</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (03)</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Jun 2009 04:27:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Inszenierung und Aufführung
Fischer-Lichte hat in ihrem Vortrag den Begriff der Inszenierung als Herleitungsschritt benutzt. Dazu hat sie eine Definition dieses Begriffs gewählt, wie er auch im Allgemeinen Theaterlexikon  verzeichnet ist: Inszenierung meint „das Ordnen des Personals und des Materials zum Ganzen der Darstellung einer dramatischen Dichtung“(1).
Sie führt des Weiteren aus, dass in den letzten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Inszenierung und Aufführung</h3>
<p>Fischer-Lichte hat in ihrem Vortrag den Begriff der Inszenierung als Herleitungsschritt benutzt. Dazu hat sie eine Definition dieses Begriffs gewählt, wie er auch im Allgemeinen Theaterlexikon  verzeichnet ist: Inszenierung meint „das Ordnen des Personals und des Materials zum Ganzen der Darstellung einer dramatischen Dichtung“(1).</p>
<p>Sie führt des Weiteren aus, dass in den letzten dreißig Jahren zudem eine Öffnung des Begriffs stattgefunden hat, so dass er auf alle Prozesse Anwendung finden kann, bei denen das Ordnen der Personen und des Materials dazu dient, etwas in Hinblick „auf eine bestimmte Wahrnehmung erfahrbar zu machen“(2).<br />
<span id="more-82"></span><br />
Man kann also sagen, dass eine Inszenierung in erster Linie etwas sinnlich erfahrbar macht, das anders in dieser Form nicht in Erscheinung treten kann.</p>
<p>Jens Roselt(3) hingegen verwendet  den Begriff „Inszenierung“ grundlegend anders. Bei ihm steht „die Gesamtheit der szenischen Elemente“ im Mittelpunkt, wobei er sich wahrscheinlich auf Craig(4) bezieht.</p>
<p>Ihm zufolge zählen zu einer Inszenierung alle Zeichensysteme des Theaters, die sich dadurch auszeichnen, dass sie geplant oder geprobt und auf Wiederholung angelegt sind.</p>
<p>Die sinnliche Erfahrung dieser Inszenierung, also den „Zusammenklang von Bildern, Räumen, Körpern, Geräuschen, Musik und (stimmlich artikulierten) Wörtern“(5), nennt Roselt eine „Aufführung“.</p>
<p>Er unterscheidet dahin gehend, dass eine Aufführung (einer Inszenierung) auf eine konkrete Situation und ein spezifisches Publikum bezogen ist: „Produktion und Rezeption laufen gleichzeitig ab und bedingen einander. Das heißt, eine Aufführung entsteht in der Interaktion ihrer Teilnehmer“(3).</p>
<p>Er geht sogar noch einen Schritt weiter: „Durch die Aufführung wird eine soziale Gemeinschaft auf Zeit gestiftet, die heterogen oder homogen strukturiert sein kann und deren Formation vielfältigen Ansprüchen ausgesetzt ist“(3).</p>
<p>Wie im Vorfeld angeführt, ist der Begriff der Theatralität kein spezifisch in der Theaterwissenschaft verwendeter Begriff, sondern kann als allgemein verwendete Bezeichnung für Prozesse, die dem Theater ähnlich zu sein scheinen, verwendet werden.</p>
<p>Da sich nun eine Theatralität aufgrund der nur schwammigen Fassbarkeit des Begriffs nur schwerlich nachweisen lässt, muss man einen Schritt weiter gehen. Um Begebenheiten, die im Vorfeld unter dem Begriff „Kult, Fest, Feier, Zeremonie, Ritual“(6) zusammengefasst wurden, zu beschreiben und im Nachhinein bewerten zu können, sind noch aufzustellende Thesen zu finden, mit denen nachgewiesen werden kann, dass es sich um Inszenierungen beziehungsweise Aufführungen handelt.</p>
<p>Hat man dies einmal für einen bestimmten Gegenstand nachgewiesen, kann man davon ausgehend weitere Untersuchungen anstellen, da man so geschickt die Notwendigkeit einer Theatralitätsdefinition umgehen kann.</p>
<p>Wie im Vorfeld bereits näher beschrieben wurde, wird die Politik von ihrer Natur aus für solche Untersuchungen immer wieder als Beispiel herangezogen. Daher soll im Rahmen dieser Arbeit ein anderer Themenkomplex näher untersucht werden.</p>
<p>Die Entscheidung ist auf den Bereich des Gottesdienstes gefallen, weil sich dieser neben der Politik als beständige „cultural performance“(6) über die Jahrhunderte gehalten hat. Wenn Politik eine Inszenierung ist, warum sollte dann nicht etwa ein evangelischer Gottesdienst die Aufführung einer Inszenierung sein?</p>
<h4>Quellen:</h4>
<p>(1) Herloßsohn, Karl: Allgemeines Theaterlexikon oder Encyclopädie alles Wissenswerthen für Theaterfreunde unter Mitwirkung der sachkundigsten Schriftsteller Deutschlands. Neue Ausgabe. 3. Bd. Altenburg und Leipzig 1846.</p>
<p>(2) Fischer-Lichte, Erika: Das System der theatralischen Zeichen: Semiotik des Theaters. Band 1. Tübingen 1983.</p>
<p>(3) Roselt, Jens: Kreatives Zuschauen. Zur Phänomenologie von Erfahrungen im Theater. In: Der Deutschunterricht: Beiträge zu seiner Praxis und wissenschaftlichen Grundlegung, Heft 2, Stuttgart 2004. S. 46 – 56.</p>
<p>(4) Craig, Edward Gordon: Über die Kunst des Theaters. Berlin 1969.</p>
<p>(5) Hiß, Guido: Was analysiere ich wie? Der postmoderne Faust. In: Der Deutschunterricht: Beiträge zu seiner Praxis und wissenschaftlichen Grundlegung. Heft 2. Stuttgart 2002. S. 20 – 30.</p>
<p>(6) Kotte, Andreas: Theaterwissenschaft. 324 S. Wien 2005.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (04)</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Jun 2009 03:00:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Gottesdienstordnung
Ich möchte an dieser Stelle zum ersten und letzten Mal anmerken, dass es sich hier um den Versuch einer möglichst objektiven Untersuchung handelt. Es liegt nicht in der Absicht des Verfassenden, die Weltansicht und das Handeln eines Gläubigen in irgendeiner wie auch immer gearteten Weise zu bewerten, sei es nun positiv oder negativ.
Daher wird [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Gottesdienstordnung</h3>
<p>Ich möchte an dieser Stelle zum ersten und letzten Mal anmerken, dass es sich hier um den Versuch einer möglichst objektiven Untersuchung handelt. Es liegt nicht in der Absicht des Verfassenden, die Weltansicht und das Handeln eines Gläubigen in irgendeiner wie auch immer gearteten Weise zu bewerten, sei es nun positiv oder negativ.</p>
<p>Daher wird auch nicht näher auf theologische Fragen oder dergleichen eingegangen werden. Ich gestehe durchaus ein, mir kein umfassendes Bild aller Gemeinden im lokalen sowie regionalen Bereich machen zu können, und das will ich auch nicht. Wie zu Beginn dieser Serie beispielhaft am Vortrag von Frau Fischer-Lichte belegt, ist dies auch nicht zwingend erforderlich.<br />
<span id="more-126"></span><br />
Es handelt sich lediglich um eine exogene Betrachtung des Ablaufs eines beliebigen evangelischen Gottesdienstes. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurde in erster Linie die Gottesdienstordnung der Evangelischen Landeskirchen(1) berücksichtigt, welche in Buchform in nahezu jeder öffentlichen Bibliothek einsehbar und für Jedermann zugänglich ist.</p>
<p>In dieser Gottesdienstordnung ist detailliert und schrittweise dargestellt, übrigens in ähnlicher Weise wie in einem Theatertext, wie und in welcher Reihenfolge die einzelnen Phasen des Gottesdienstes gestaltet werden sollten. Um zu bestätigen, dass ein evangelischer Gottesdienst wirklich gemäß diesen Vorschriften abgehalten wird, habe ich diverse evangelische Gottesdienste in Duisburg, Essen, Dortmund und Bochum besucht.</p>
<p>Die Gottesdienstordnung der Evangelischen Landeskirchen besagt, dass sich seit der Reformation in der evangelischen Kirche neben vielen anderen im Besonderen zwei Formen des Gottesdienstes etabliert haben, die bis heute Verwendung finden.</p>
<p>Dies sind der Messgottesdienst mit Abendmahl, auch Hauptgottesdienst genannt, sowie der Predigtgottesdienst.</p>
<p>Obwohl beide Formen sich nicht wirklich gleichen, haben sie sich jedoch seit Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr als sich ergänzende Grundformen entwickelt.</p>
<p>Dies findet seine Begründung vor allem darin, dass der evangelische Messgottesdienst neben seinem inhaltlichen Aspekten auch ökumenische Maßstäbe gesetzt hat, die dazu beigetragen haben, dass die evangelische Kirche in der Sparte der christlichen Glaubensrichtungen als tolerant und weltoffen gilt und Ruf genießt, am Dialog mit anderen Glaubensrichtungen interessiert zu sein.</p>
<p>Der Predigtgottesdienst bietet zudem eine recht große Anzahl an Variationen in seinen Gestaltungsmöglichkeiten und konnte sich aufgrund dieser Möglichkeit, auf zeitgenössische Strömungen reagieren, über die letzten fünf Jahrhunderte halten und zu seiner heutigen Form weiterentwickeln.</p>
<p>Den beiden Formen ist eine gemeinsame Grundstruktur zu Eigen. Um diese genau zu erfassen, bietet sich eine grobe Einteilung in vier unterschiedliche Phasen, ähnlich einer Szenenteinteilung bei einem Theaterstück, an.</p>
<p>Die erste Phase eines evangelischen Gottesdienstes wird die Eröffnung und Anrufung genannt. Dieser folgt im zweiten Abschnitt eine Phase, die Verkündigung genannt wird und mit dem so genannten Bekenntnis abschließt.</p>
<p>Ohne eine Pause wird im Anschluss drittens die wohl bekannteste Phase des christlichen Gottesdienstes gefeiert: das Abendmahl. Diesem schließt sich viertens die Sendung und sowie der dazu gehörigen Segen an. Nach dieser Phase wird der Gottesdienst für gewöhnlich beendet und die Gemeinde verlässt die Kirche.</p>
<p>Um sich mit dem Thema befassen und Thesen aufstellen zu können, ist eine detaillierte Darstellung des Ablaufs von Nöten. Daher wird im morgigen Artikel veranschaulicht, wie die einzelnen Phasen im Gottesdienst genau ablaufen.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Evangelisches Gottesdienstbuch. Berlin 2001.</p>
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		<item>
		<title>Serie: Theater und Religion (05)</title>
		<link>http://www.michael-hausdorf.de/?p=132</link>
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		<pubDate>Sun, 28 Jun 2009 03:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Eröffnung
Im Messgottesdienst, einer eher ökumenisch orientierten Gottesdienstform, wird der eigentlichen Verkündigung ein einleitender Teil vorangestellt. Dieser ist je nach Kirche und Pfarrer durch sehr individuelle Handlungen gekennzeichnet. 
Das erklärt sich zum einen dadurch, dass sich jede Kirche, oder aber auch der im Winter stattdessen gelegentlich genutzte Gemeindesaal, von anderen Kirchen oder Sälen in baulicher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Eröffnung</h3>
<p>Im Messgottesdienst, einer eher ökumenisch orientierten Gottesdienstform, wird der eigentlichen Verkündigung ein einleitender Teil vorangestellt. Dieser ist je nach Kirche und Pfarrer durch sehr individuelle Handlungen gekennzeichnet. </p>
<p>Das erklärt sich zum einen dadurch, dass sich jede Kirche, oder aber auch der im Winter stattdessen gelegentlich genutzte Gemeindesaal, von anderen Kirchen oder Sälen in baulicher Weise unterscheidet.<br />
<span id="more-132"></span><br />
Zum anderen liegt es in der Natur der Sache, dass ein Pfarrer, der sehr bemüht um seine Gemeinde ist, einen anderen Stand bei seinen Gemeindemitgliedern hat, als beispielsweise ein Pfarrer einer großen Kirche in einem Urlaubsort, der zwar auch eine große Zahl von Besuchern in seinen Gottesdiensten begrüßen kann, diese aber vermutlich nicht namentlich, sondern wenn überhaupt, nur vom Sehen her kennt.</p>
<p>Es liegt also nicht zu fern, zu behaupten, dass der Raum, also die Kirche und der Veranstalter, demnach der Pfarrer, einen Einfluss auf den ersten Eindruck haben können, den ein Gemeindemitglied beim zumeist sonntäglichen Besuch des Gottesdienstes hat.</p>
<p>Nicht unüblich und sogar ausdrücklich in der Gottesdienstordnung(1) vorgeschlagen ist die Verwendung von einleitender Musik. Da die meisten Kirchenräume über eine Orgel (oder ein Instrument ähnlicher Größenordnung) verfügen dürften, ist hiermit eine Beschallung des Kirchenraumes zu einem genügenden Masse rein technisch durchaus möglich. </p>
<p>Doch auch hier ergibt ein nicht zu unterschätzender Faktor individueller Natur, der in der Person des Musikers liegt, der dieses Instrument bedient. Dieser kann natürlich ein Virtuose auf seinem Gebiet sein. Es kann aber auch genauso gut ein mittelmäßig begabter Musikstudent sein oder ein Gemeindemitglied sein. Diese von diesem Musiker gespielte Musik wird von allen Gemeindemitgliedern beim Eintritt wahrgenommen.</p>
<p>Hierbei muss beachtet werden, dass Pfarrer und Musiker in der Regel die zu spielenden Stücke bereits im Vorfeld gemeinsam ausgesucht haben dürften. Ob die Musik sich nun mit der Grundstimmung der eintretenden Gemeindemitglieder in Einklang bringen lässt oder aber auf Abneigung stößt, lässt sich nicht vorhersagen, sollte jedoch als Faktor in die Überlegungen zur Vorbereitung eines Gottesdienstes miteinbezogen werden. </p>
<p>Wünschenswert ist sicher, dass die erklingende Musik sowie die Begrüßung durch den Pfarrer dem Besucher das Gefühl vermitteln, dass er hier willkommen ist. Denn an dieser Stelle entscheidet sich bereits, ob das Gemeindemitglied den Eindruck hat, als Person wahrgenommen zu werden. </p>
<p>Wenn diese Handlung seitens des Pfarrers erfolgreich ist, dann kann sich in der Folge beim Gläubigen ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrautheit einstellen. Kommt es dazu, dürfte die innere Bereitschaft zur Annahme der im Gottesdienst vermittelten Inhalte um ein Vielfaches größer sein, als wenn diese Grundbedingung nicht erfüllt ist.</p>
<p>In vielen Gemeinden ist zudem eine weitere, vorbereitende Handlung nicht unüblich: das Eingangsgebet. Es dient dem Sinn nach dazu, sich auf den folgenden Gottesdienst innerlich vorzubereiten. Da es der inneren Form nach eine direkte Anrede Gottes darstellt, in der der Gläubige etwa seine Sorgen, Bitten und Wünsche vorträgt, gibt es hierzu keine Vorgaben. </p>
<p>Die Individualität dieses Gebets bringt verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten mit sich: es macht einen Unterschied, ob der Gläubige zu Beginn des Gebets sitzt und ein stilles Gebet spricht oder ob er etwa im Mittelgang stehen bleibt und in mäßiger Lautstärke, sich der Aufmerksamkeit der Anderen sehr wohl bewusst, anfängt zu beten. Die Möglichkeiten zur Selbstinszenierung sind an dieser Stelle sehr vielfältig.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Evangelisches Gottesdienstbuch. Berlin 2001.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (06)</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 03:00:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Anrufung
Im Regelfall wird die im letzten Artikel  erwähnte Selbstinszenierung eines Besuchers sich aber in einem dezenten und sozial verträglichen  Rahmen halten. 
Gewöhnlich folgt der zuvor beschriebenen Vorbereitung  nun die erste Phase, die so genannte Anrufung. 
Eingeleitet wird diese dadurch, dass der Pfarrer den Kirchenraum als Letzter betritt. Dies macht er in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Anrufung</h3>
<p>Im Regelfall wird die im letzten Artikel  erwähnte Selbstinszenierung eines Besuchers sich aber in einem dezenten und sozial verträglichen  Rahmen halten. </p>
<p>Gewöhnlich folgt der zuvor beschriebenen Vorbereitung  nun die erste Phase, die so genannte Anrufung. </p>
<p>Eingeleitet wird diese dadurch, dass der Pfarrer den Kirchenraum als Letzter betritt. Dies macht er in gemäßigtem Schritt zumeist entweder durch die Mitte der Bankreihen von hinten herein der aus einer im vorderen Bereich des Kirchenraumes in der linken oder rechten Ecke vorhandenen Tür heraus. </p>
<p>Hinter dieser Tür befindet sich meistens die Sakristei, ein Raum, der der Öffentlichkeit nicht zugänglich, sondern eher als Umkleidemöglichkeit und dergleichen gedacht ist. Ein Vergleich zu einer Seiten- oder Hinterbühne in einem klassischen Theater drängt sich hier auf.<br />
<span id="more-138"></span><br />
Unabhängig davon, woher der Pfarrer kommt, ist das Ziel seines Ganges der zentriert vor den Zuschauerreihen gebaute Altar. </p>
<p>Begleitet wird dieser Gang in der Regel von pathetischer Orgelmusik und endet damit, dass der Pfarrer sich schweigend, den Altar im Rücken, der Gemeinde zuwendet und diese begrüßt.</p>
<p>Der Altar selber ist in der Regel bereits im Vorfeld mit aussagekräftiger Dekoration bestückt worden, so zum Beispiel Kerzen, einem überdimensionalen, aufgeschlagenem Gebetsbuch, frischen Blumen oder aber einem auf dem Altar stehendem Kreuz. </p>
<p>Je nach Tag im Kirchenkalender kommt hinzu, dass im Vorfeld verschiedene Tücher, ähnlich Flaggen, auf oder über den Altar gespannt wurden. Diese sind mit Symbolen in verschiedenen Farben gestaltet. </p>
<p>Es würde jedoch den Rahmen dieser Reihe sprengen, auf die einzelnen Farben und Symbole, die dort zu sehen sind, einzugehen, daher soll und muss diese Erwähnung genügen.</p>
<p>In einem Psalmgottesdienst folgt nach der Begrüßung ein gemeinsames Gebet, dass diese Phase dann auch schon wieder schließt. </p>
<p>Im Messgottesdienst geht der Pfarrer deutlich ausführlicher vor. Der Begrüßung folgt ein Eingangspsalm, auf den er sich im Laufe des Gottesdienstes immer wieder bezieht. </p>
<p>Von der Funktion her könnte man diesen Psalm als „Motto“ bezeichnen, da er ein Motiv enthält, das immer wieder aufgegriffen wird.</p>
<p>Anschließend wird ein gemeinsames Lied gesungen. In der Regel verhält es sich so, dass der Besucher des Gottesdienstes, als er den Kirchenraum betreten hat, entweder einen fotokopierten Liederzettel mit Text und Noten oder aber ein Liederbuch aus dem kircheneigenen Bestand erhalten hat. </p>
<p>Diese Lieder sind in der Regel durchnummeriert und werden dementsprechend vom Pfarrer genannt. Unterstützt wird diese Nennung von zwei Methoden. </p>
<p>Zum Einen gibt es in älteren Kirchenräumen an der Wand hinter dem Altar eine Art von Steckleiste, auf der Zahlen von einem Kirchenangestellten vorher angebracht werden können. </p>
<p>Zum anderen gibt es aber auch, vor allem in neueren Kirchenräumen, die weit verbreitete Alternative, dass die Nummer des Liedes einfach per Diaprojektor-Technik auf die Wand hinter dem Altar projiziert wird. Eine Verbindung zur modernen multimedialen Inszenierung scheint hier andeutungsweise vorhanden.</p>
<p>Dem Lied folgt, meist von kurzen Worten des Pfarrers begleitet, ein gemeinsames Gebet, das in der Regel allen regelmäßig erscheinenden Besuchern bekannt ist. Nicht unüblich ist es auch, dass dies mehrmals hintereinander wiederholt wird, also im Wechsel ein Lied und ein Gebet. </p>
<p>Stellenweise erinnert dieses gemeinsame Rezitieren bekannter Lieder und Texte an Menschen, die sich über Summen oder ähnliche Lautäußerungen in eine Art Trance bringen wollen.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (07)</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 03:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Verkündigung und Bekenntnis
Nach einer individuell verschiedenen Anzahl von Liedern und Gebeten folgt dann die zweite Phase des Gottesdienstes: die Verkündigung.
Die Verkündigung selbst kann als eine zentrale Phase des evangelischen Gottesdienstes gesehen werden. Sie unterscheidet sich von den vorherigen Phasen durch eine gewisse Exklusivität.
In der Regel, über einen längeren Zeitraum von Wochen, Monaten oder gar Jahren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Verkündigung und Bekenntnis</h3>
<p>Nach einer individuell verschiedenen Anzahl von Liedern und Gebeten folgt dann die zweite Phase des Gottesdienstes: die Verkündigung.</p>
<p>Die Verkündigung selbst kann als eine zentrale Phase des evangelischen Gottesdienstes gesehen werden. Sie unterscheidet sich von den vorherigen Phasen durch eine gewisse Exklusivität.</p>
<p>In der Regel, über einen längeren Zeitraum von Wochen, Monaten oder gar Jahren gesehen, wird es zu keiner oder kaum einer Änderung sowohl in der in der Durchführung der Begrüßungs- wie auch der Anrufungsphase seitens des Pfarrers und des Gemeindepersonals kommen.<br />
<span id="more-148"></span><br />
Dies mag zum Einen darin begründbar sein, dass dies in der Gottesdienstordnung der evangelischen Landeskirchen nicht vorgesehen ist. Zum Anderen wurde bereits im Vorfeld erklärt, dass eine gleich bleibende Struktur dem Sinn der ersten beiden Phasen des Gottesdienstes in Bezug auf Konstruktion beziehungsweise Rekonstruktion eines Zusammengehörigkeitsgefühls entgegen kommt.</p>
<p>Inhaltlich betrachtet stellt die Phase der Verkündigung demnach eine Art von Improvisationsteil dar, obwohl eine gewisse Grundstruktur durch so genannte Tageslosungen vorgegeben ist. Diese werden deshalb referiert, um den formellen Rahmen, der seitens der Besucher scheinbar erwartet wird, nicht zu verlassen.</p>
<p>In der Regel wird im Messgottesdienst eine Textpassage aus der Bibel verlesen. Um den Übergang zur eigentlichen Predigt zu gewährleisten, wählt der Pfarrer in den meisten Fällen einen aktuellen Bezug.</p>
<p>Das bekannteste Beispiel hierfür ist der alljährlich am 24. Dezember stattfindende Weihnachtsgottesdienst, der auch von Menschen besucht wird, die man nicht unbedingt als regelmäßige Kirchgänger bezeichnen würde.</p>
<p>Realistisch betrachtet könnte man von diesem speziellen Gottesdienst auch sagen, dass es der wohl am besten besuchte Gottesdienst des Jahres in nahezu jeder Kirche des Landes sein dürfte. Der Anlass, auf den sich der Pfarrer an dieser Stelle beziehen dürfte, ist die Geburt Jesu(1), eine Geschichte, die den meisten Besuchern hinlänglich bekannt ist.</p>
<p>Der Pfarrer wird nun die Geschichte der Geburt Jesu und den zu diesem Anlass stattfindenden Gottesdienst als Bezugspunkt seiner Predigt wählen. Die Wahl der von ihm aufzustellenden These, die er anhand weiterer Bibelzitate belegen wird, scheint hierbei relativ frei und nicht vorgegeben zu sein.</p>
<p>Vom Grundtenor ist sie zumeist Folgende: eine Erinnerung an die Grundsätze des Glaubens und der daraus abgeleiteten christlichen Nächstenliebe. Zumeist wird der Predigende dem moralische Weisungen und Anstöße zur Reflektion des eigenen, alltäglichen Verhaltens beistellen.</p>
<p>Nach dieser Vermischung von Textrezension und deren Bezug auf die Alltagsrealität der Gläubigen wird der Predigtteil von Seiten des Pfarrers beendet. Dem folgt als eigenständiger, jedoch wenig variierbarer Teil dieser Phase des Gottesdienstes das Glaubensbekenntnis, welches eine kanonisierte Zustimmung der Gemeinde zum verkündigten Wort Gottes darstellt.</p>
<p>Nicht unüblich ist auch an dieser Stelle, die in der Gemeinde des Weiteren vorhandenen Ressourcen wie beispielsweise einen Chor oder eventuell vorhandene Instrumentalmusiker zur akustischen Untermalung mit einzubeziehen.</p>
<p>Unterstrichen wird die Zustimmung noch durch das Dankopfer und die Fürbitten. Das Dankopfer ist auch als Kollekte bekannt. Die Kollekte soll dazu beitragen, den Notleidenden zu helfen. Die Fürbitten dienen dazu, den Wunsch nach Frieden und Erfüllung im Glauben nochmals zu betonen.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Neues Testament, vgl. Lukas 2,7 &amp; Matthäus 11,29</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (08)</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jul 2009 03:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Abendmahl
Während diese Phase beim Predigtgottesdienst eher von dezentraler Bedeutung zu sein scheint und daher in den meisten Fällen weggelassen wird, ist das Abendmahl im Messgottesdienst von dominant-zentraler Bedeutung.

Um den Sinn dieser Phase deutlich zu machen, ist ein Blick in das Lukas-Evangelium(1) des neuen Testaments sinnvoll:
Und er sprach zu ihnen: Mit Sehnsucht habe ich mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das Abendmahl</h3>
<p>Während diese Phase beim Predigtgottesdienst eher von dezentraler Bedeutung zu sein scheint und daher in den meisten Fällen weggelassen wird, ist das Abendmahl im Messgottesdienst von dominant-zentraler Bedeutung.<br />
<span id="more-150"></span><br />
Um den Sinn dieser Phase deutlich zu machen, ist ein Blick in das Lukas-Evangelium(1) des neuen Testaments sinnvoll:</p>
<blockquote><p>Und er sprach zu ihnen: Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Passah mit euch zu essen, ehe ich leide. Denn ich sage euch, dass ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis es erfüllt sein wird im Reiche Gottes. Und er nahm einen Kelch, dankte und sprach: Nehmet diesen und teilet ihn unter euch. Denn ich sage euch, dass ich nicht von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde, bis das Reich Gottes komme. Und er nahm Brot, dankte, brach und gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird; dieses tut zu meinem Gedächtnis! Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahle und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute, das für euch vergossen wird.</p></blockquote>
<p>Aus dieser Textstelle erklärt sich der Ursprung des Abendmahls. Es ist demnach eine Art von Rückbesinnung auf das Handeln von Jesus Christus.</p>
<p>Der Pfarrer wird sich zur Einleitung dieses Teils entweder vor den Altar stellen oder aber den Weg hinter den Altar nehmen und sich dann frontal zur Gemeinde ausrichten. </p>
<p>Eine Besonderheit besteht an dieser Stelle: Während es jedem Besucher, gleich welcher Glaubensrichtung frei steht, sich an den Liedern und Gebeten zu beteiligen, ist das Abendmahl durch eine gewisse Exklusivität gekennzeichnet.</p>
<p>Die Teilnahmebedingung hierfür ist, dass man einen offiziellen Status von Mitgliedschaft in der christlichen Kirche hat, dass man also im Vorfeld durch ein Initialritual bestätigt wurde.</p>
<p>Die evangelische Kirche in solchen Aspekten sehr ökumenisch. Es scheint heutzutage keine Rolle mehr zu spielen, wie die bestätigte Zugehörigkeit erlangt wurde.</p>
<p>Es ist dabei nur erheblich, dass der Teilnehmende die so genannte „Heilige Taufe“ empfangen hat. Ob diese nun in einer katholischen oder evangelischen Kirche oder vielleicht auch in einer Freikirche wie einer Baptistengemeinde empfangen wurde, ist dabei nicht weiter von Belang. Eine Firmung, Kommunion oder Konfirmation ist zwar wünschenswert, jedoch nicht zwingend erforderlich.</p>
<p>Nachdem der Pfarrer sich, wie zuvor erwähnt, an entsprechender Stelle positioniert hat, wird ihm von einem Gottesdiensthelfer ein Kelch mit Wein sowie ein Teller mit Oblaten oder Brotstücken gereicht werden.</p>
<p>Zeitgleich kommen die zum zuvor erwähnten Personenkreis zugehörigen Personen nach vorne zum Altar und bilden dort um den Pfarrer einen Halbkreis, dem sich bei einer größeren Personenzahl von hinten eine Warteschlange anschließt, die nach Abschluss der folgenden Aktion nachrückt und das Selbe in eigener Person nochmals nachvollzieht, falls eingangs nicht genug Platz für alle war.</p>
<p>Der Pfarrer spricht nun die Worte von Jesus Christus, wie sie im Lukas-Evangelium niedergeschrieben sind(1). Um das Ganze gestisch zu unterstützen, segnet er entweder die Oblaten oder bricht ein Stück Brot in zwei Hälften.</p>
<p>Danach trinkt er einen Schluck aus dem Weinkelch. Dem schließt er die in der Heiligen Schrift überlieferte Austeilung von Wein und Brot an. Nachdem die Gläubigen das Abendmahl empfangen haben, begeben sie sich zurück in die Bankreihen zu ihren Plätzen.</p>
<p>Diese Phase ist neben dem Eingangsgebet die Einzige, in der die Gemeinde durch Handlungen von einzelnen Mitgliedern repräsentiert wird. In den anderen Phasen handelt die Gemeinde als Ganzes. Das Abendmahl ist der Höhepunkt des Gottesdienstes und kündigt zugleich das baldige Ende desselben an.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Neues Testament vgl. Lukas 22,15ff.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (09)</title>
		<link>http://www.michael-hausdorf.de/?p=171</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Jul 2009 07:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sendung und Segen
Um den Übergang von der Gemeindeversammlung im Gottesdienst hin zum individuellen Alltagsleben zurück zu realisieren, gehen beide Gottesdienstformen, also sowohl der Messgottesdienst wie auch der Predigtgottesdienst, ähnliche Wege.
Nachdem das Abendmahl durch die Wiedereinnahme der Plätze sowie ein gemeinsames Gebet und vielleicht noch ein Lied abgeschlossen wurde, folgt die vierte Phase, genannt Sendung sowie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Sendung und Segen</h3>
<p>Um den Übergang von der Gemeindeversammlung im Gottesdienst hin zum individuellen Alltagsleben zurück zu realisieren, gehen beide Gottesdienstformen, also sowohl der Messgottesdienst wie auch der Predigtgottesdienst, ähnliche Wege.</p>
<p>Nachdem das Abendmahl durch die Wiedereinnahme der Plätze sowie ein gemeinsames Gebet und vielleicht noch ein Lied abgeschlossen wurde, folgt die vierte Phase, genannt Sendung sowie das zugehörige Segenswort, welches fest geprägt ist.<br />
<span id="more-171"></span><br />
Dem wird zumeist noch ein variables Geleitwort bis hin zum nächsten Gottesdienst hinzugefügt.</p>
<p>Im Predigtgottesdienst zeigt sich hier meist nochmals der Zusammenhang zur Verkündigung auf, da sich hier das Geleitwort mit einer Art Empfehlung darstellt, wie der inhaltliche Kern der zuvor rezipierten Predigt im Alltag der Gläubigen umgesetzt werden kann.</p>
<p>Dem nachgestellt sind zumeist organisatorische Hinweise, die die nahe Zukunft betreffen, etwa andere Gottesdienstveranstaltungen, Taufen, Hochzeiten oder Gemeindeereignisse wie Osterfeuer und dergleichen.</p>
<p>Der Pfarrer begibt sich nun, den Gottesdienst damit offiziell beendend, vom Altar aus durch den im Regelfall vorhandenen Mittelgang zum Ausgang, wobei das Schritttempo dem des Einmarsches  am Anfang entspricht. Begleitet wird dieser Auszug von Orgelmusik oder anderen gegebenenfalls vorhandenen Instrumenten.</p>
<p>Je nach Art und Weise der Musik zum Ausgang hat diese entweder einen besinnlichen oder aber einen begleitenden Charakter. Der Pfarrer stellt sich dann, je nach Witterungsverhältnissen, innen oder außen zu Seiten des Ausgangs auf.</p>
<p>Die Gemeindemitglieder erheben sich dann ebenfalls und begeben sich auch zum Ausgang. Beim Verlassen der Kirche werden sie persönlich vom Pfarrer verabschiedet, in den meisten Fällen mit einem erneuten Hinweis auf den nächstfolgenden Gottesdienst.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (10)</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Jul 2009 07:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
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		<category><![CDATA[System der theatralischen Zeichen]]></category>
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		<description><![CDATA[Zeichensysteme
In den vorherigen Artikeln ist in groben Zügen die Struktur eines Gottesdienstes dargestellt worden. Randbemerkungen zur Andeutung von Parallelen zum Theater wurden gemacht, doch ist damit noch längst nicht bestimmt, ob es sich bei einem evangelischen Gottesdienst wirklich um eine Aufführung im eigentlichen Sinne handelt.
Um dies nachzuweisen, ist es unabdinglich, ein Axiom(1) anzunehmen. Wenn nachgewiesen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Zeichensysteme</h3>
<p>In den vorherigen Artikeln ist in groben Zügen die Struktur eines Gottesdienstes dargestellt worden. Randbemerkungen zur Andeutung von Parallelen zum Theater wurden gemacht, doch ist damit noch längst nicht bestimmt, ob es sich bei einem evangelischen Gottesdienst wirklich um eine Aufführung im eigentlichen Sinne handelt.</p>
<p>Um dies nachzuweisen, ist es unabdinglich, ein Axiom(1) anzunehmen. Wenn nachgewiesen wird, dass es sich um eine Inszenierung handelt, dann kann von einer Aufführung ausgegangen werden.</p>
<p>Um nachzuweisen, dass es sich um eine Inszenierung handelt, muss die Inszenierung deduktiv auf ihre einzelnen Bestandteile hin betrachtet werden. Diese müssen separat voneinander betrachtet werden, um dann in einem zweiten Schritt induktiv auf die Inszenierung zurück schließen zu können.</p>
<p><span id="more-176"></span></p>
<p>Ist so eine Inszenierung und in der Folge eine Aufführung nachweisbar, dann kann davon ausgegangen werden, dass es möglich ist, mit den Methoden der Theaterwissenschaft die Inszenierung eines evangelischen Gottesdienst zu analysieren.</p>
<p>Somit wäre die These bewiesen, die Frau Fischer-Lichte schon in Bezug auf die Politik als Gegenstand der Betrachtung bewiesen hat.</p>
<p>Um die einzelnen Bestandteile einer Inszenierung zu untersuchen, erscheint die Systematisierung theatraler Zeichen nach Kowzan(2) als sinnvolles Hilfsmittel. Tadeusz Kowzan unterteilt die Zeichensysteme im Theater nach visuellen und akustischen Zeichen.</p>
<p>Diese Oberkategorien sind nochmals unterteilt nach darstellerbezogenen und raumbezogenen Zeichen. Dieses Modell wurde später von Fischer-Lichte und Elam(3) modifiziert, jedoch nicht grundlegend verändert.</p>
<p>Erika Fischer-Lichte hat weitere Unterteilungen beziehungsweise Kategorisierungen vorgenommen(4), beispielsweise nach den Gegensatzpaaren „transitorisch“ und „lang andauernd“. Transitorisch ist hier auf die darstellerbezogenen Zeichensysteme zu beziehen, lang andauernd eher auf die raumbezogenen Zeichensysteme.</p>
<p>Diese weitere Untergliederung laut Fischer-Lichte erscheint aber aufgrund der Komplexität der hier vermuteten Inszenierung zu feingliedrig und wird daher nicht weiter einbezogen werden.</p>
<p>Zu den visuellen, darstellerbezogenen Zeichen zählen laut Kowzan Mimik, Gestik, Bewegung, Schminke, Frisur und Kostüm. Zu den visuellen, raumbezogenen Zeichen dagegen das, was einen eigentlichen Bühnenraum ausmacht, nämlich Requisiten, Bühnenbild sowie die Beleuchtung.</p>
<p>Interessant ist hierbei, dass die zuvor erwähnten akustischen Zeichensysteme auf beide Unterkategorien, also sowohl darstellerbezogen wie auch raumbezogen angewendet werden können. Hier legt Kowzan besonderen Wert auf die Betrachtung von Sprache, Ton, Musik und Geräuschen.</p>
<p>Um einen evangelischen Gottesdienst überhaupt auf die darstellerbezogenen Zeichensysteme hin untersuchen zu können, ergibt sich hier des Weiteren die Frage, welche Personen als Darsteller betrachtet werden können, ob man einzig den Pfarrer und das Gemeindepersonal als Darsteller betrachtet oder die gesamte Gemeinde etwa.</p>
<p>Davon abhängig scheint auch die Frage, ob es überhaupt so etwas wie einen Bühnenraum gibt oder ob man in diesem Fall nicht eher von einer Art von „environmental theatre“(5), also einer Vermischung von Bühne und Zuschauerraum, ausgehen kann und sollte.</p>
<p>Dies soll in den Artikeln, die in den folgenden Tagen veröffentlicht werden, näher untersucht werden.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Hilbert, David (Hrsg.):Grundzüge der theoretischen Logik, 6. Auflage. Berlin 1972. S.24f.</p>
<p>(2) Kowzan, Tadeusz: The Sign in the Theatre. In: Diogenes 61. Zürich 1968. S.52 – 80.</p>
<p>(3) Elam, Keir: The Semiotics of Theatre and Drama. London 1980.</p>
<p>(4) Fischer-Lichte, Erika: Das System der theatralischen Zeichen: Semiotik des Theaters. Band 1. Tübingen 1983.</p>
<p>(5) Carlson, Marvin: Places of Performance: The Semiotics of Theatre Architecture. Ithaca/London 1984.</p>
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