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	<title>Michael Hausdorf &#187; Theatralität</title>
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		<title>Serie: Theater und Religion (01)</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Jun 2009 10:53:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Theater und Theatralität
In unserem Sprachgebrauch wird der Begriff Theater zumeist eindeutig als Bezeichnung für ein Gebäude oder eine spezielle Richtung der Darstellenden Kunst verwendet. Ein jeder weiß, was ein Theater ist und dass in einem Theater eine oder mehrere Personen ein Theaterstück für andere Personen spielen.
Verbreitet ist auch der Ausspruch „Was für ein Theater!“, meist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Theater und Theatralität</h3>
<p>In unserem Sprachgebrauch wird der Begriff Theater zumeist eindeutig als Bezeichnung für ein Gebäude oder eine spezielle Richtung der Darstellenden Kunst verwendet. Ein jeder weiß, was ein Theater ist und dass in einem Theater eine oder mehrere Personen ein Theaterstück für andere Personen spielen.</p>
<p>Verbreitet ist auch der Ausspruch „Was für ein Theater!“, meist eher nicht in Verwendung ob des Lobes an die Qualität einer etablierten Spielstätte, sondern um eine alltägliche Begebenheit zu beschreiben. Eine Situation, die hervorsticht durch besondere Momente. Etwas, dass diese Situation von der gemeinen Situation des schnöden Alltags unterscheidet.</p>
<p>Und letzten Endes kommt es dann und wann vor, dass Jemand meint, dass ihm ein Anderer  „ein Theater vorspiele“. Also eine Situation, die zum Einen durchschaubar gemimt sei und zum Anderen nicht die Wirklichkeit, die sie vorgibt, abbildet.</p>
<p>Um Theater nun nicht aus seiner ursprünglichen Begrifflichkeit lösen zu müssen und um dennoch über Phänomene reden zu können, die in offensichtlich engem Kontext hierzu stehen, hat sich mit der Zeit ein Begriff eingebürgert, der bis heute Verwendung findet, nämlich der der Theatralität.</p>
<p><span id="more-54"></span></p>
<p>Seit langer Zeit beschäftigen sich Theaterwissenschaftler in diesem Kontext auch mit Erscheinungen des Theaters, die außerhalb fester Spielstätten aufgetreten, nämlich Erscheinungen, die man kurz unter der Formel „Kult, Fest, Feier, Zeremonie, Ritual“(1) zusammenfassen kann.</p>
<p>Neben der Theaterwissenschaft wird der Begriff der Theatralität auch in anderen Wissenschaften wie der Psychologie, Philosophie, Anthropologie oder aber auch den Kunst- und Kulturwissenschaften verwendet.</p>
<p>Diese Fachdisziplinen beschreiben damit meistens „mehrdeutige Beziehungen zwischen Gegenständen, Personen und Aktionen“(1). Allerdings ist an dieser Verwendung eine ähnlich inflationäre Handhabungsweise, wie sie dem Begriff „Theater“ widerfahren ist, zu ersehen.</p>
<p>Es werden im interdisziplinären Gebrauch Vorgänge durch Theatralität beschrieben, die theaterähnlich zu sein scheinen, die gewisse Assoziationen zum Theater wecken.</p>
<p>Mehr als ein Jahrzehnt ist es nun her, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft zu einer Tagung zum Thema „Theatralität“ Vertreter unterschiedlicher Fachrichtungen eingeladen hat, um der Theaterwissenschaft die Möglichkeit zu geben, sich mit diesen über die eigentliche Bedeutung des Begriffs zu verständigen.</p>
<p>Thematisiert wurde dort unter anderem, inwieweit sich beim Auftritt des aktuellen Kanzlerkandidaten der SPD in der Öffentlichkeit von Theatralität sprechen lasse. Entsetzt meldete sich an dieser Stelle die Autorin Sybille Wirsing(2) zu Wort.</p>
<p>Ihrer Meinung nach seien jetzt schon „Generalzweifel an dem Projekt“ anzumelden, da die „die Erforschung des politischen Gebarens den Rahmen der Zuständigkeit der Theaterwissenschaft“ überschreitet.</p>
<p>In diesem Fall ging es um einen Auftritt Gerhard Schröders, der immerhin „ein hochgradiges Politikum“ sei und man spreche „von Leuten, auf deren Schultern zum Beispiel die Bundesrepublik ruht“. Dieses zu beurteilen, oder gar zu analysieren, fiele ihrer Meinung nach „nicht in die Kompetenz von Theaterwissenschaftlern“.</p>
<p>Augenfällig an diesem Zitat ist, dass Wirsing keinen klaren Bezug zum eigentlichen Gegenstand der Tagung, nämlich der Findung einer gemeinsamen Definition von Theatralität, her stellt. Inwiefern das dem eigentlichen Thema dienlich sein wird, werde ich im morgigen Artikel darstellen.</p>
<h4>Quellen:</h4>
<p>(1) Kotte, Andreas: Theaterwissenschaft. 324 S. Wien 2005.</p>
<p>(2)  Frankfurter Allgemeine Zeitung. „Nicht alles ist Kultur, aber alles ist Theater?“ In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.Juni 1997, Nr. 122, S. 42. Zitiert nach <a href="http://fazarchiv.faz.net/webcgi?START=A11&amp;T_SEITE=9&amp;WID=16543-2470297-11101_14" target="_blank">FAZ Archiv</a>, letzter Besuch: 25. Juni 2007, 14:25 MEZ</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (02)</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Jun 2009 05:11:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Analyse]]></category>
		<category><![CDATA[Erika Fischer-Lichte]]></category>
		<category><![CDATA[Herfried Münkler]]></category>
		<category><![CDATA[Irrelevanzthese]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulationsthese]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik als Inszenierung]]></category>
		<category><![CDATA[SPD Leipziger Parteitag 1998]]></category>
		<category><![CDATA[Theaterwissenschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[wissenschaftlicher Diskurs]]></category>

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		<description><![CDATA[Politik als Inszenierung
Sieht man einmal von der durch Wirsing ausgedrückten Geringschätzung der gastgebenden Fachdisziplin ab, dann wird hier unbeabsichtigt ein weitaus größerer und bedeutenderer Themenkomplex angesprochen: es gibt bis heute keine eindeutige Definition des Begriffs Theatralität.
Kann man dennoch davon ausgehen, dass Theorien, Begrifflichkeiten und Sichtweisen der Theaterwissenschaft deswegen trotzdem auf andere Bereiche als das Theater [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Politik als Inszenierung</h3>
<p>Sieht man einmal von der durch Wirsing ausgedrückten Geringschätzung der gastgebenden Fachdisziplin ab, dann wird hier unbeabsichtigt ein weitaus größerer und bedeutenderer Themenkomplex angesprochen: es gibt bis heute keine eindeutige Definition des Begriffs Theatralität.</p>
<p>Kann man dennoch davon ausgehen, dass Theorien, Begrifflichkeiten und Sichtweisen der Theaterwissenschaft deswegen trotzdem auf andere Bereiche als das Theater anwendbar sind?</p>
<p>Ist es vertretbar, dass sich Theaterwissenschaftler auch mit anderen Gegenständen wie der Tagespolitik oder dem Gebaren eines Politikers beschäftigen und eine im wissenschaftlichen Diskurs um ein solches Thema von anderen Disziplinen respektierbare Meinung einnehmen können?<br />
<span id="more-62"></span><br />
Erika Fischer-Lichte thematisiert dies ungefähr ein Jahr nach der zuvor zitierten Tagung in einem Vortrag, zu dem sie bezeichnenderweise vom Präsidenten des Niedersächsischen Landtags 1999 eingeladen wurde. </p>
<p>Im Rahmen eines Vortragsabends in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen trug sie vor(1), warum ein Theaterwissenschaftler sehr wohl in der Lage sei, anhand von zuvor gestellten Thesen und Definitionen einen Prozess zu analysieren, der vom Gegenstand her dem eigentlichen Fachgebiet fremd ist.</p>
<p>Das Thema dieses Vortrags lautet „Politik als Inszenierung“. Um eine für diesen Kontext verwendbare Herleitung des Begriffs „Inszenierung“ zu finden, referiert sie Thesen des Politologen Herfried Münker(2).</p>
<p>Dieser geht davon aus, dass inszenierte Politik gefährlich ist, und begründet dies mit zwei grundlegenden Thesen: Der so genannten „Manipulationsthese“ sowie  der davon abhängigen „Irrelevanzthese“.</p>
<p>Die Manipulationsthese beschreibt prägnant die Gefahr, dass gegebene politische Macht aus Eigennutz missbraucht wird, sei es nun aus wirtschaftlichen oder ideologischen Gründen.</p>
<p>Die Irrelevanzthese elaboriert in Bezug darauf den Trend, dass im Zuge der in den letzten Jahrzehnten stark fortgeschrittenen Globalisierung ein Einbuße in Bezug auf die Bedeutung von lokalen und nationalen Politikern entstanden ist und diese Politiker sich daher dazu gezwungen sehen, ihre Person zu inszenieren, um die eigene Irrelevanz im internationalen Kontext vor der nationalen Öffentlichkeit nicht eingestehen zu müssen.</p>
<p>Anhand dieser beiden Thesen stellt Fischer-Lichte die Frage in den Raum, ob Inszenierungen von Politik respektive politischen Handlungen an sich eine Indikator dafür seien, dass unsere heute bestehende Demokratie in Gefahr ist, wenn sie nicht mehr wie in früheren Zeiten selbstbegründend sei.</p>
<p>Sie führt hierzu mehrere prägnante Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart vor und zeigt, dass Politik und politische Handlungen schon immer, mal mehr, mal weniger, Inszenierungen gewesen sind und sich daher auch mit den Methoden der Theaterwissenschaft untersuchen lassen.</p>
<p>Eine gefällige Anekdote dieses Vortrags ist, dass das Beispiel, mit dem sie letzten Endes den aktuellen Bezug herstellt, die Benennung Gerhard Schröders zum Kanzlerkandidaten der SPD des Leipziger Parteitags im April 1998 ist.</p>
<p>Eben jenes „hochgradigen Politikums“, dem Wirsing zugesprochen hatte, dass auf  keinen Fall „in die Kompetenz von Theaterwissenschaftlern“ falle, dessen Auftreten in der Öffentlichkeit zu beurteilen.</p>
<p>Fischer-Lichte beweist an dieser Stelle auf äußerst logische wie auch charmante Weise, dass es mit den Methoden der Theaterwissenschaft möglich sein kann, auch der Fachdisziplin fremde Gegenstände zu analysieren.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Fischer-Lichte, Erika: Politik als Inszenierung. In: Schriftenreihe des Niedersächsischen Landtags zu Themen, die der Öffentlichkeit von Interesse sind. Heft 45. Hannover 2002.</p>
<p>(2) Frankfurter Allgemeine Zeitung. Münkler, Herfried: Ruhe auf den billigen Plätzen! Erziehung oder Unterhaltung? Im großen Polittheater sind nur noch Quoten die Währung, und die Inszenierung ist alles – bedeutet die Sache gar nichts mehr? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26. Juli 2001, Nr. 171, S.46</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (05)</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Jun 2009 03:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Eröffnung
Im Messgottesdienst, einer eher ökumenisch orientierten Gottesdienstform, wird der eigentlichen Verkündigung ein einleitender Teil vorangestellt. Dieser ist je nach Kirche und Pfarrer durch sehr individuelle Handlungen gekennzeichnet. 
Das erklärt sich zum einen dadurch, dass sich jede Kirche, oder aber auch der im Winter stattdessen gelegentlich genutzte Gemeindesaal, von anderen Kirchen oder Sälen in baulicher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Eröffnung</h3>
<p>Im Messgottesdienst, einer eher ökumenisch orientierten Gottesdienstform, wird der eigentlichen Verkündigung ein einleitender Teil vorangestellt. Dieser ist je nach Kirche und Pfarrer durch sehr individuelle Handlungen gekennzeichnet. </p>
<p>Das erklärt sich zum einen dadurch, dass sich jede Kirche, oder aber auch der im Winter stattdessen gelegentlich genutzte Gemeindesaal, von anderen Kirchen oder Sälen in baulicher Weise unterscheidet.<br />
<span id="more-132"></span><br />
Zum anderen liegt es in der Natur der Sache, dass ein Pfarrer, der sehr bemüht um seine Gemeinde ist, einen anderen Stand bei seinen Gemeindemitgliedern hat, als beispielsweise ein Pfarrer einer großen Kirche in einem Urlaubsort, der zwar auch eine große Zahl von Besuchern in seinen Gottesdiensten begrüßen kann, diese aber vermutlich nicht namentlich, sondern wenn überhaupt, nur vom Sehen her kennt.</p>
<p>Es liegt also nicht zu fern, zu behaupten, dass der Raum, also die Kirche und der Veranstalter, demnach der Pfarrer, einen Einfluss auf den ersten Eindruck haben können, den ein Gemeindemitglied beim zumeist sonntäglichen Besuch des Gottesdienstes hat.</p>
<p>Nicht unüblich und sogar ausdrücklich in der Gottesdienstordnung(1) vorgeschlagen ist die Verwendung von einleitender Musik. Da die meisten Kirchenräume über eine Orgel (oder ein Instrument ähnlicher Größenordnung) verfügen dürften, ist hiermit eine Beschallung des Kirchenraumes zu einem genügenden Masse rein technisch durchaus möglich. </p>
<p>Doch auch hier ergibt ein nicht zu unterschätzender Faktor individueller Natur, der in der Person des Musikers liegt, der dieses Instrument bedient. Dieser kann natürlich ein Virtuose auf seinem Gebiet sein. Es kann aber auch genauso gut ein mittelmäßig begabter Musikstudent sein oder ein Gemeindemitglied sein. Diese von diesem Musiker gespielte Musik wird von allen Gemeindemitgliedern beim Eintritt wahrgenommen.</p>
<p>Hierbei muss beachtet werden, dass Pfarrer und Musiker in der Regel die zu spielenden Stücke bereits im Vorfeld gemeinsam ausgesucht haben dürften. Ob die Musik sich nun mit der Grundstimmung der eintretenden Gemeindemitglieder in Einklang bringen lässt oder aber auf Abneigung stößt, lässt sich nicht vorhersagen, sollte jedoch als Faktor in die Überlegungen zur Vorbereitung eines Gottesdienstes miteinbezogen werden. </p>
<p>Wünschenswert ist sicher, dass die erklingende Musik sowie die Begrüßung durch den Pfarrer dem Besucher das Gefühl vermitteln, dass er hier willkommen ist. Denn an dieser Stelle entscheidet sich bereits, ob das Gemeindemitglied den Eindruck hat, als Person wahrgenommen zu werden. </p>
<p>Wenn diese Handlung seitens des Pfarrers erfolgreich ist, dann kann sich in der Folge beim Gläubigen ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrautheit einstellen. Kommt es dazu, dürfte die innere Bereitschaft zur Annahme der im Gottesdienst vermittelten Inhalte um ein Vielfaches größer sein, als wenn diese Grundbedingung nicht erfüllt ist.</p>
<p>In vielen Gemeinden ist zudem eine weitere, vorbereitende Handlung nicht unüblich: das Eingangsgebet. Es dient dem Sinn nach dazu, sich auf den folgenden Gottesdienst innerlich vorzubereiten. Da es der inneren Form nach eine direkte Anrede Gottes darstellt, in der der Gläubige etwa seine Sorgen, Bitten und Wünsche vorträgt, gibt es hierzu keine Vorgaben. </p>
<p>Die Individualität dieses Gebets bringt verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten mit sich: es macht einen Unterschied, ob der Gläubige zu Beginn des Gebets sitzt und ein stilles Gebet spricht oder ob er etwa im Mittelgang stehen bleibt und in mäßiger Lautstärke, sich der Aufmerksamkeit der Anderen sehr wohl bewusst, anfängt zu beten. Die Möglichkeiten zur Selbstinszenierung sind an dieser Stelle sehr vielfältig.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Evangelisches Gottesdienstbuch. Berlin 2001.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (06)</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 03:00:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Anrufung
Im Regelfall wird die im letzten Artikel  erwähnte Selbstinszenierung eines Besuchers sich aber in einem dezenten und sozial verträglichen  Rahmen halten. 
Gewöhnlich folgt der zuvor beschriebenen Vorbereitung  nun die erste Phase, die so genannte Anrufung. 
Eingeleitet wird diese dadurch, dass der Pfarrer den Kirchenraum als Letzter betritt. Dies macht er in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Anrufung</h3>
<p>Im Regelfall wird die im letzten Artikel  erwähnte Selbstinszenierung eines Besuchers sich aber in einem dezenten und sozial verträglichen  Rahmen halten. </p>
<p>Gewöhnlich folgt der zuvor beschriebenen Vorbereitung  nun die erste Phase, die so genannte Anrufung. </p>
<p>Eingeleitet wird diese dadurch, dass der Pfarrer den Kirchenraum als Letzter betritt. Dies macht er in gemäßigtem Schritt zumeist entweder durch die Mitte der Bankreihen von hinten herein der aus einer im vorderen Bereich des Kirchenraumes in der linken oder rechten Ecke vorhandenen Tür heraus. </p>
<p>Hinter dieser Tür befindet sich meistens die Sakristei, ein Raum, der der Öffentlichkeit nicht zugänglich, sondern eher als Umkleidemöglichkeit und dergleichen gedacht ist. Ein Vergleich zu einer Seiten- oder Hinterbühne in einem klassischen Theater drängt sich hier auf.<br />
<span id="more-138"></span><br />
Unabhängig davon, woher der Pfarrer kommt, ist das Ziel seines Ganges der zentriert vor den Zuschauerreihen gebaute Altar. </p>
<p>Begleitet wird dieser Gang in der Regel von pathetischer Orgelmusik und endet damit, dass der Pfarrer sich schweigend, den Altar im Rücken, der Gemeinde zuwendet und diese begrüßt.</p>
<p>Der Altar selber ist in der Regel bereits im Vorfeld mit aussagekräftiger Dekoration bestückt worden, so zum Beispiel Kerzen, einem überdimensionalen, aufgeschlagenem Gebetsbuch, frischen Blumen oder aber einem auf dem Altar stehendem Kreuz. </p>
<p>Je nach Tag im Kirchenkalender kommt hinzu, dass im Vorfeld verschiedene Tücher, ähnlich Flaggen, auf oder über den Altar gespannt wurden. Diese sind mit Symbolen in verschiedenen Farben gestaltet. </p>
<p>Es würde jedoch den Rahmen dieser Reihe sprengen, auf die einzelnen Farben und Symbole, die dort zu sehen sind, einzugehen, daher soll und muss diese Erwähnung genügen.</p>
<p>In einem Psalmgottesdienst folgt nach der Begrüßung ein gemeinsames Gebet, dass diese Phase dann auch schon wieder schließt. </p>
<p>Im Messgottesdienst geht der Pfarrer deutlich ausführlicher vor. Der Begrüßung folgt ein Eingangspsalm, auf den er sich im Laufe des Gottesdienstes immer wieder bezieht. </p>
<p>Von der Funktion her könnte man diesen Psalm als „Motto“ bezeichnen, da er ein Motiv enthält, das immer wieder aufgegriffen wird.</p>
<p>Anschließend wird ein gemeinsames Lied gesungen. In der Regel verhält es sich so, dass der Besucher des Gottesdienstes, als er den Kirchenraum betreten hat, entweder einen fotokopierten Liederzettel mit Text und Noten oder aber ein Liederbuch aus dem kircheneigenen Bestand erhalten hat. </p>
<p>Diese Lieder sind in der Regel durchnummeriert und werden dementsprechend vom Pfarrer genannt. Unterstützt wird diese Nennung von zwei Methoden. </p>
<p>Zum Einen gibt es in älteren Kirchenräumen an der Wand hinter dem Altar eine Art von Steckleiste, auf der Zahlen von einem Kirchenangestellten vorher angebracht werden können. </p>
<p>Zum anderen gibt es aber auch, vor allem in neueren Kirchenräumen, die weit verbreitete Alternative, dass die Nummer des Liedes einfach per Diaprojektor-Technik auf die Wand hinter dem Altar projiziert wird. Eine Verbindung zur modernen multimedialen Inszenierung scheint hier andeutungsweise vorhanden.</p>
<p>Dem Lied folgt, meist von kurzen Worten des Pfarrers begleitet, ein gemeinsames Gebet, das in der Regel allen regelmäßig erscheinenden Besuchern bekannt ist. Nicht unüblich ist es auch, dass dies mehrmals hintereinander wiederholt wird, also im Wechsel ein Lied und ein Gebet. </p>
<p>Stellenweise erinnert dieses gemeinsame Rezitieren bekannter Lieder und Texte an Menschen, die sich über Summen oder ähnliche Lautäußerungen in eine Art Trance bringen wollen.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (07)</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 03:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
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		<category><![CDATA[Verkündigung]]></category>
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		<description><![CDATA[Verkündigung und Bekenntnis
Nach einer individuell verschiedenen Anzahl von Liedern und Gebeten folgt dann die zweite Phase des Gottesdienstes: die Verkündigung.
Die Verkündigung selbst kann als eine zentrale Phase des evangelischen Gottesdienstes gesehen werden. Sie unterscheidet sich von den vorherigen Phasen durch eine gewisse Exklusivität.
In der Regel, über einen längeren Zeitraum von Wochen, Monaten oder gar Jahren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Verkündigung und Bekenntnis</h3>
<p>Nach einer individuell verschiedenen Anzahl von Liedern und Gebeten folgt dann die zweite Phase des Gottesdienstes: die Verkündigung.</p>
<p>Die Verkündigung selbst kann als eine zentrale Phase des evangelischen Gottesdienstes gesehen werden. Sie unterscheidet sich von den vorherigen Phasen durch eine gewisse Exklusivität.</p>
<p>In der Regel, über einen längeren Zeitraum von Wochen, Monaten oder gar Jahren gesehen, wird es zu keiner oder kaum einer Änderung sowohl in der in der Durchführung der Begrüßungs- wie auch der Anrufungsphase seitens des Pfarrers und des Gemeindepersonals kommen.<br />
<span id="more-148"></span><br />
Dies mag zum Einen darin begründbar sein, dass dies in der Gottesdienstordnung der evangelischen Landeskirchen nicht vorgesehen ist. Zum Anderen wurde bereits im Vorfeld erklärt, dass eine gleich bleibende Struktur dem Sinn der ersten beiden Phasen des Gottesdienstes in Bezug auf Konstruktion beziehungsweise Rekonstruktion eines Zusammengehörigkeitsgefühls entgegen kommt.</p>
<p>Inhaltlich betrachtet stellt die Phase der Verkündigung demnach eine Art von Improvisationsteil dar, obwohl eine gewisse Grundstruktur durch so genannte Tageslosungen vorgegeben ist. Diese werden deshalb referiert, um den formellen Rahmen, der seitens der Besucher scheinbar erwartet wird, nicht zu verlassen.</p>
<p>In der Regel wird im Messgottesdienst eine Textpassage aus der Bibel verlesen. Um den Übergang zur eigentlichen Predigt zu gewährleisten, wählt der Pfarrer in den meisten Fällen einen aktuellen Bezug.</p>
<p>Das bekannteste Beispiel hierfür ist der alljährlich am 24. Dezember stattfindende Weihnachtsgottesdienst, der auch von Menschen besucht wird, die man nicht unbedingt als regelmäßige Kirchgänger bezeichnen würde.</p>
<p>Realistisch betrachtet könnte man von diesem speziellen Gottesdienst auch sagen, dass es der wohl am besten besuchte Gottesdienst des Jahres in nahezu jeder Kirche des Landes sein dürfte. Der Anlass, auf den sich der Pfarrer an dieser Stelle beziehen dürfte, ist die Geburt Jesu(1), eine Geschichte, die den meisten Besuchern hinlänglich bekannt ist.</p>
<p>Der Pfarrer wird nun die Geschichte der Geburt Jesu und den zu diesem Anlass stattfindenden Gottesdienst als Bezugspunkt seiner Predigt wählen. Die Wahl der von ihm aufzustellenden These, die er anhand weiterer Bibelzitate belegen wird, scheint hierbei relativ frei und nicht vorgegeben zu sein.</p>
<p>Vom Grundtenor ist sie zumeist Folgende: eine Erinnerung an die Grundsätze des Glaubens und der daraus abgeleiteten christlichen Nächstenliebe. Zumeist wird der Predigende dem moralische Weisungen und Anstöße zur Reflektion des eigenen, alltäglichen Verhaltens beistellen.</p>
<p>Nach dieser Vermischung von Textrezension und deren Bezug auf die Alltagsrealität der Gläubigen wird der Predigtteil von Seiten des Pfarrers beendet. Dem folgt als eigenständiger, jedoch wenig variierbarer Teil dieser Phase des Gottesdienstes das Glaubensbekenntnis, welches eine kanonisierte Zustimmung der Gemeinde zum verkündigten Wort Gottes darstellt.</p>
<p>Nicht unüblich ist auch an dieser Stelle, die in der Gemeinde des Weiteren vorhandenen Ressourcen wie beispielsweise einen Chor oder eventuell vorhandene Instrumentalmusiker zur akustischen Untermalung mit einzubeziehen.</p>
<p>Unterstrichen wird die Zustimmung noch durch das Dankopfer und die Fürbitten. Das Dankopfer ist auch als Kollekte bekannt. Die Kollekte soll dazu beitragen, den Notleidenden zu helfen. Die Fürbitten dienen dazu, den Wunsch nach Frieden und Erfüllung im Glauben nochmals zu betonen.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Neues Testament, vgl. Lukas 2,7 &amp; Matthäus 11,29</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (08)</title>
		<link>http://www.michael-hausdorf.de/?p=150</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Jul 2009 03:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Abendmahl
Während diese Phase beim Predigtgottesdienst eher von dezentraler Bedeutung zu sein scheint und daher in den meisten Fällen weggelassen wird, ist das Abendmahl im Messgottesdienst von dominant-zentraler Bedeutung.

Um den Sinn dieser Phase deutlich zu machen, ist ein Blick in das Lukas-Evangelium(1) des neuen Testaments sinnvoll:
Und er sprach zu ihnen: Mit Sehnsucht habe ich mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Das Abendmahl</h3>
<p>Während diese Phase beim Predigtgottesdienst eher von dezentraler Bedeutung zu sein scheint und daher in den meisten Fällen weggelassen wird, ist das Abendmahl im Messgottesdienst von dominant-zentraler Bedeutung.<br />
<span id="more-150"></span><br />
Um den Sinn dieser Phase deutlich zu machen, ist ein Blick in das Lukas-Evangelium(1) des neuen Testaments sinnvoll:</p>
<blockquote><p>Und er sprach zu ihnen: Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt, dieses Passah mit euch zu essen, ehe ich leide. Denn ich sage euch, dass ich hinfort nicht mehr davon essen werde, bis es erfüllt sein wird im Reiche Gottes. Und er nahm einen Kelch, dankte und sprach: Nehmet diesen und teilet ihn unter euch. Denn ich sage euch, dass ich nicht von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde, bis das Reich Gottes komme. Und er nahm Brot, dankte, brach und gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird; dieses tut zu meinem Gedächtnis! Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahle und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute, das für euch vergossen wird.</p></blockquote>
<p>Aus dieser Textstelle erklärt sich der Ursprung des Abendmahls. Es ist demnach eine Art von Rückbesinnung auf das Handeln von Jesus Christus.</p>
<p>Der Pfarrer wird sich zur Einleitung dieses Teils entweder vor den Altar stellen oder aber den Weg hinter den Altar nehmen und sich dann frontal zur Gemeinde ausrichten. </p>
<p>Eine Besonderheit besteht an dieser Stelle: Während es jedem Besucher, gleich welcher Glaubensrichtung frei steht, sich an den Liedern und Gebeten zu beteiligen, ist das Abendmahl durch eine gewisse Exklusivität gekennzeichnet.</p>
<p>Die Teilnahmebedingung hierfür ist, dass man einen offiziellen Status von Mitgliedschaft in der christlichen Kirche hat, dass man also im Vorfeld durch ein Initialritual bestätigt wurde.</p>
<p>Die evangelische Kirche in solchen Aspekten sehr ökumenisch. Es scheint heutzutage keine Rolle mehr zu spielen, wie die bestätigte Zugehörigkeit erlangt wurde.</p>
<p>Es ist dabei nur erheblich, dass der Teilnehmende die so genannte „Heilige Taufe“ empfangen hat. Ob diese nun in einer katholischen oder evangelischen Kirche oder vielleicht auch in einer Freikirche wie einer Baptistengemeinde empfangen wurde, ist dabei nicht weiter von Belang. Eine Firmung, Kommunion oder Konfirmation ist zwar wünschenswert, jedoch nicht zwingend erforderlich.</p>
<p>Nachdem der Pfarrer sich, wie zuvor erwähnt, an entsprechender Stelle positioniert hat, wird ihm von einem Gottesdiensthelfer ein Kelch mit Wein sowie ein Teller mit Oblaten oder Brotstücken gereicht werden.</p>
<p>Zeitgleich kommen die zum zuvor erwähnten Personenkreis zugehörigen Personen nach vorne zum Altar und bilden dort um den Pfarrer einen Halbkreis, dem sich bei einer größeren Personenzahl von hinten eine Warteschlange anschließt, die nach Abschluss der folgenden Aktion nachrückt und das Selbe in eigener Person nochmals nachvollzieht, falls eingangs nicht genug Platz für alle war.</p>
<p>Der Pfarrer spricht nun die Worte von Jesus Christus, wie sie im Lukas-Evangelium niedergeschrieben sind(1). Um das Ganze gestisch zu unterstützen, segnet er entweder die Oblaten oder bricht ein Stück Brot in zwei Hälften.</p>
<p>Danach trinkt er einen Schluck aus dem Weinkelch. Dem schließt er die in der Heiligen Schrift überlieferte Austeilung von Wein und Brot an. Nachdem die Gläubigen das Abendmahl empfangen haben, begeben sie sich zurück in die Bankreihen zu ihren Plätzen.</p>
<p>Diese Phase ist neben dem Eingangsgebet die Einzige, in der die Gemeinde durch Handlungen von einzelnen Mitgliedern repräsentiert wird. In den anderen Phasen handelt die Gemeinde als Ganzes. Das Abendmahl ist der Höhepunkt des Gottesdienstes und kündigt zugleich das baldige Ende desselben an.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Neues Testament vgl. Lukas 22,15ff.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (09)</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Jul 2009 07:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sendung und Segen
Um den Übergang von der Gemeindeversammlung im Gottesdienst hin zum individuellen Alltagsleben zurück zu realisieren, gehen beide Gottesdienstformen, also sowohl der Messgottesdienst wie auch der Predigtgottesdienst, ähnliche Wege.
Nachdem das Abendmahl durch die Wiedereinnahme der Plätze sowie ein gemeinsames Gebet und vielleicht noch ein Lied abgeschlossen wurde, folgt die vierte Phase, genannt Sendung sowie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Sendung und Segen</h3>
<p>Um den Übergang von der Gemeindeversammlung im Gottesdienst hin zum individuellen Alltagsleben zurück zu realisieren, gehen beide Gottesdienstformen, also sowohl der Messgottesdienst wie auch der Predigtgottesdienst, ähnliche Wege.</p>
<p>Nachdem das Abendmahl durch die Wiedereinnahme der Plätze sowie ein gemeinsames Gebet und vielleicht noch ein Lied abgeschlossen wurde, folgt die vierte Phase, genannt Sendung sowie das zugehörige Segenswort, welches fest geprägt ist.<br />
<span id="more-171"></span><br />
Dem wird zumeist noch ein variables Geleitwort bis hin zum nächsten Gottesdienst hinzugefügt.</p>
<p>Im Predigtgottesdienst zeigt sich hier meist nochmals der Zusammenhang zur Verkündigung auf, da sich hier das Geleitwort mit einer Art Empfehlung darstellt, wie der inhaltliche Kern der zuvor rezipierten Predigt im Alltag der Gläubigen umgesetzt werden kann.</p>
<p>Dem nachgestellt sind zumeist organisatorische Hinweise, die die nahe Zukunft betreffen, etwa andere Gottesdienstveranstaltungen, Taufen, Hochzeiten oder Gemeindeereignisse wie Osterfeuer und dergleichen.</p>
<p>Der Pfarrer begibt sich nun, den Gottesdienst damit offiziell beendend, vom Altar aus durch den im Regelfall vorhandenen Mittelgang zum Ausgang, wobei das Schritttempo dem des Einmarsches  am Anfang entspricht. Begleitet wird dieser Auszug von Orgelmusik oder anderen gegebenenfalls vorhandenen Instrumenten.</p>
<p>Je nach Art und Weise der Musik zum Ausgang hat diese entweder einen besinnlichen oder aber einen begleitenden Charakter. Der Pfarrer stellt sich dann, je nach Witterungsverhältnissen, innen oder außen zu Seiten des Ausgangs auf.</p>
<p>Die Gemeindemitglieder erheben sich dann ebenfalls und begeben sich auch zum Ausgang. Beim Verlassen der Kirche werden sie persönlich vom Pfarrer verabschiedet, in den meisten Fällen mit einem erneuten Hinweis auf den nächstfolgenden Gottesdienst.</p>
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		<title>Serie: Theater &amp; Religion (12)</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Jul 2009 07:00:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Analyse]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein historisches Beispiel
Wie zuvor dargestellt, ist es problematisch, in Bezug auf einen evangelischen Gottesdienst die Bereiche Person und Rolle zu trennen. Das wirft allerdings auch die Vermutung auf, dass eben diese Untrennbarkeit der Schlüssel zur Analyse der darstellerbezogenen Zeichensysteme nach Kowzan(1) zu sein scheint.
Es erscheint daher unzweckmäßig, die Herleitung einzig und allein auf bloße theoretische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Ein historisches Beispiel</h3>
<p>Wie zuvor dargestellt, ist es problematisch, in Bezug auf einen evangelischen Gottesdienst die Bereiche Person und Rolle zu trennen. Das wirft allerdings auch die Vermutung auf, dass eben diese Untrennbarkeit der Schlüssel zur Analyse der darstellerbezogenen Zeichensysteme nach Kowzan(1) zu sein scheint.</p>
<p>Es erscheint daher unzweckmäßig, die Herleitung einzig und allein auf bloße theoretische Logik zu verlagern. Bei Nachforschungen zu dem vermuteten Zusammenhang fiel der Blick auf eine historische Epoche oder besser gesagt, eine Person einer historischen Epoche, die in diesem Kontext durch ihr Leben und Handeln eine Verbindung zwischen Person und Rolle geschaffen hat.<br />
<span id="more-192"></span><br />
Die Rede ist von König Ludwig XIV. von Frankreich, vielen auch besser bekannt als der „Sonnenkönig“. Ludwig ist durch viele politische Inszenierungen in den Jahren 1660 bis 1664, die im Ablauf von Vorneherein bis in das wohl winzigste Detail geplant wurden, zu seinem bis heute anhaltenden Bekanntheitsgrad gelangt. </p>
<p>Diese Inszenierungen, „deren einzelne Elemente mit symbolischer Bedeutung aufgeladen“(2) waren, fand in diesem Zeitraum in der breiten Öffentlichkeit statt. Die Zuschauer waren hierbei, ähnlich einer Theateraufführung, als fester Bestandteil eingeplant.</p>
<p>Peter Burke(3) hat zu dieser Thematik ein weit rezensiertes Werk geschrieben, in dem er beschreibt, wie die zuvor erwähnten Inszenierungen nach 1664 vom Tag in die Nacht und aus der Öffentlichkeit in einen in diesem Vergleich als privat zu bezeichnenden Rahmen, nämlich in die zum königlichen Schloss von Versailles gehörenden Gärten von Versailles verlegt wurden. </p>
<p>An diesen Inszenierungen, die nun den Charakter höfischer Feste hatten, nahm nun auch nicht mehr jeder Beliebige, sprich das Volk, teil. Stattdessen beschränkte sich der Kreis der Erwünschten und Zugelassenen auf Angehörige des Hofes sowie Gesandte und Gäste aus dem Ausland.</p>
<p>Die Vergleichbarkeit zum Gottesdienst besteht hier in einem gewissen Masse: die evangelischen Gottesdienste finden in der Regel nicht auf der Straße, sondern an bestimmten Plätzen, meistens in abgegrenzten Kirchenräumen statt. </p>
<p>Die Menschen, die eine Kirche besuchen, sind entweder der Glaubensrichtung zugehörige Mitglieder der Kirche oder aber gern gesehene Gäste von außerhalb. </p>
<p>Inwiefern weitere Gemeinsamkeiten vorhanden sind, soll im morgigen Artikel geklärt werden.</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Kowzan, Tadeusz: The Sign in the Theatre. In: Diogenes 61. Zürich 1968. S.52 – 80. </p>
<p>(2) Fischer-Lichte, Erika: Politik als Inszenierung. In: Schriftenreihe des Niedersächsischen Landtags zu Themen, die der Öffentlichkeit von Interesse sind. Heft 45. Hannover 2002.</p>
<p>(3) Burke, Peter: Ludwig XIV : Die Inszenierung des Sonnenkönigs. Aus dem Englischen übersetzt. Berlin 1993.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (13)</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Jul 2009 07:00:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Feste in Versailles
Das Konzept der Festveranstaltungen in den Gärten von Versailles gestaltete sich durchweg anders als die vorherigen öffentlichen Veranstaltungen. 
Während in der Öffentlichkeit größter Wert auf eine schon beinahe rituelle Repräsentation des Königs wert gelegt wurde, ging man hier andere Wege. Ludwig orientierte sich mehr und mehr am Vorbild des Theaters und verstand [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Feste in Versailles</h3>
<p>Das Konzept der Festveranstaltungen in den Gärten von Versailles gestaltete sich durchweg anders als die vorherigen öffentlichen Veranstaltungen. </p>
<p>Während in der Öffentlichkeit größter Wert auf eine schon beinahe rituelle Repräsentation des Königs wert gelegt wurde, ging man hier andere Wege. Ludwig orientierte sich mehr und mehr am Vorbild des Theaters und verstand es offensichtlich wie kein Anderer, dessen Mittel der Darstellung für seine Zwecke zu nutzen. <span id="more-194"></span>Fischer-Lichte hierzu:</p>
<blockquote><p>„Die nächtlichen Gärten von Versailles wurden in fiktive Welten verwandelt: In den Palast des Sonnenkönigs, den [...] Olymp, in die Grotte der Thetis, in grüne Theater, Ballsäle und Labyrinthe, in denen Stauen und Fontänen plötzlich wieder zum Leben erwachten.“</p></blockquote>
<p>Wenn nun diese Gärten in Scheinwelten verwandelt wurden, die ausgehend von der bei Burke beschriebenen Präzision der Inszenierungen Ludwigs des IXV. äußerst detailliert nachgebildet worden sein müssen, dann ergibt sich daraus, dass die Besucher dieser Feste das Gefühl gehabt haben müssen, einen Raum zu betreten, der an ihre Realität angrenzt. Innerhalb dieser Scheinwelten traten Ludwig und seine Hofgesellschaft als Ausübende einer Rolle auf. Fischer-Lichte hierzu weiter: </p>
<blockquote><p>„[…] Ludwig in Kostüm und Maske der Sonne, Apollos, Jupiters, Herkules, Mars oder Alexanders des Großen, seine Höflinge als Gottheiten zweiten Ranges, als Sterne, die die Sonne umkreisen, als Feen oder Nymphen.“</p></blockquote>
<p>Ludwig und sein Hof sind an dieser Stelle gleichzeitig Zuschauer und Darsteller einer Inszenierung, die eine Rolle spielen. </p>
<p>Sie schauen sich im Zuge der Rollendarstellung zu diesen Gelegenheiten regelmäßig Dramen und Opern an, die ein eingeplanter Teil der Veranstaltung sind und von „echten“ Schauspielern und Sängern gestaltet werden.</p>
<p>Anhand dieses Beispiels lässt sich zeigen, dass Bentleys einfache Formel „A spielt B für C“ sich auch auf eine Aufführungssituation anwenden<br />
lässt, in der die Zuschauer sowohl aktiv wie auch passiv beteiligt sind. </p>
<p>Es ist nicht zwingend erforderlich, eine Abgrenzung zwischen Darsteller und Zuschauer anzunehmen. Es lässt sich aus diesem Beispiel heraus ableiten, dass die These Bentleys sich auch auf die in einem evangelischen Gottesdienst anwesende Gemeinde beziehen lässt.</p>
<p>Wenn also nicht davon ausgegangen wird, dass es eine feste Einteilung in Darsteller einer Rolle und Publikum gibt, sondern diese Betrachtung, auch unter Berücksichtung neuerer Theaterformen, erweitert wird, dann ist eine Analyse der darstellerbezogenen Zeichensysteme aller am Gottesdienst Beteiligten möglich. </p>
<p>Damit wäre zumindest schon der erste Teil der These bewiesen worden. Es steht noch aus, ob sich auch der Raum einer Kirche nach diesem Modell betrachten lässt. Dies wird im folgenden Artikel aufgeschlüsselt werden.</p>
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		<title>Serie: Theater und Religion (14)</title>
		<link>http://www.michael-hausdorf.de/?p=203</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 07:00:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Hausdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bühne und Raum
Im vorherigen Artikel ist nachgewiesen worden, dass eine Überschneidung zwischen der darstellenden Person und der dargestellten Rolle kein Ausschlusskriterium für eine darstellerbezogene Systematisierung theatraler Zeichen in Bezug auf einen evangelischen Gottesdienst ist.
Des Weiteren wurde erwähnt, in welchem Rahmen diese Rollendarstellung zustande kommen kann: Die Darsteller bewegen sich innerhalb einer autonomen, künstlich geschaffenen Welt, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Bühne und Raum</h3>
<p>Im vorherigen Artikel ist nachgewiesen worden, dass eine Überschneidung zwischen der darstellenden Person und der dargestellten Rolle kein Ausschlusskriterium für eine darstellerbezogene Systematisierung theatraler Zeichen in Bezug auf einen evangelischen Gottesdienst ist.</p>
<p>Des Weiteren wurde erwähnt, in welchem Rahmen diese Rollendarstellung zustande kommen kann: Die Darsteller bewegen sich innerhalb einer autonomen, künstlich geschaffenen Welt, die sich vor Allem dadurch auszeichnet, dass sie autonom zu sein scheint und sich dadurch von realen Alltagswelt abgrenzt.</p>
<p>Es wurde im Vorfeld die Frage gestellt, inwiefern sich in dieser Folge die raumbezogene Systematisierung theatraler Zeichen nach Kowzan auf den Kirchenraum beziehen lässt.<br />
<span id="more-203"></span><br />
Mircea Eliade(1) hat in Bezug auf den heiligen Raum, nichts anderes ist der Innenraum einer evangelischen Kirche für die Gläubigen, eine in diesem Kontext interessante Theorie aufgestellt.</p>
<p>Laut Eliade unterscheidet sich der Kirchenraum vom normalen Raum dadurch, dass in ihm etwas, was er „Manifestation des Heiligen“ nennt, sein Zentrum hat. Dies findet seine Begründung unter Anderem darin, dass sich dieser heilige Raum vom so genannten profanen Raum unterscheidet. Profan meint in diesem Kontext einen Raum, der keine religiösen Merkmale hat beziehungsweise Voraussetzungen erfüllt.</p>
<p>Da der profane Raum homogen ist, besteht für die Gläubigen eine Art von Orientierungsnotwendigkeit, der durch den heiligen Raum gewährleistet werden kann.</p>
<p>Der heilige Raum hingegen ist abgegrenzt und kann nur durch eine Schwelle, in unserem Falle eine Tür, betreten werden.</p>
<p>Symbolisch betrachtet stellt diese Tür einen Übergang von der Alltagswelt in die Gemeinschaft derer, die denselben Glauben haben, dar.</p>
<p>Dieser Ort seinerseits, von Eliade auch als Theophanie bezeichnet, stellt im Leben der Gläubigen einen zentralen Punkt dar. Begründet wird dies durch einen Rückschluss auf die Anfänge unserer Zivilisation, als unser gesellschaftliches Miteinander bestenfalls als archaisch zu bezeichnen war.<br />
Heilige Orte wurden zu dieser Zeit, genau wie heutzutage, durch Zeichen definiert.</p>
<p>Eliade erkennt das Grundbedürfnis der  Menschen, einer Verbindung zwischen Himmel und Erde nahe zu sein und legt dar, dass dies beispielsweise durch eine Säule, einen Berg, einen Baum oder aber auch einen Kirchturm dargestellt ist.</p>
<p>Da für den Menschen das, was er glaubt, der Realität entspricht, ist der heilige Ort somit der Mittelpunkt seiner Realität. Daraus erklärt sich auch das menschliche Bedürfnis, der axis mundi(2), also seinem persönlichen heiligen Raum,  nahe sein zu wollen.</p>
<p>Damit ist zwar noch nicht geklärt, wie der heilige Raum eigentlich beschaffen ist, aber zumindest, was er eigentlich ist. Um seine Funktion zu ergründen, ist eine Ausführung des Begriffs der Heiligen Zeit nach Eliade nötig, die er seiner Beschreibung des Heiligen Raumes anschließt.</p>
<p>Die heilige Zeit ist für einen religiösen Menschen wie der heilige Raum nicht homogen oder stetig. Dazu morgen mehr &#8230;</p>
<h4>Quellen</h4>
<p>(1) Eliade, Mircea: Das Heilige und das Profane : vom Wesen des Religiösen. Frankfurt am Main 1990.<br />
(2) aus dem Lateinischen stammender Begriff, bedeutet soviel wie „Weltachse“ bzw. Weltmittelpunkt</p>
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