Die Eröffnung
Im Messgottesdienst, einer eher ökumenisch orientierten Gottesdienstform, wird der eigentlichen Verkündigung ein einleitender Teil vorangestellt. Dieser ist je nach Kirche und Pfarrer durch sehr individuelle Handlungen gekennzeichnet.
Das erklärt sich zum einen dadurch, dass sich jede Kirche, oder aber auch der im Winter stattdessen gelegentlich genutzte Gemeindesaal, von anderen Kirchen oder Sälen in baulicher Weise unterscheidet.
Zum anderen liegt es in der Natur der Sache, dass ein Pfarrer, der sehr bemüht um seine Gemeinde ist, einen anderen Stand bei seinen Gemeindemitgliedern hat, als beispielsweise ein Pfarrer einer großen Kirche in einem Urlaubsort, der zwar auch eine große Zahl von Besuchern in seinen Gottesdiensten begrüßen kann, diese aber vermutlich nicht namentlich, sondern wenn überhaupt, nur vom Sehen her kennt.
Es liegt also nicht zu fern, zu behaupten, dass der Raum, also die Kirche und der Veranstalter, demnach der Pfarrer, einen Einfluss auf den ersten Eindruck haben können, den ein Gemeindemitglied beim zumeist sonntäglichen Besuch des Gottesdienstes hat.
Nicht unüblich und sogar ausdrücklich in der Gottesdienstordnung(1) vorgeschlagen ist die Verwendung von einleitender Musik. Da die meisten Kirchenräume über eine Orgel (oder ein Instrument ähnlicher Größenordnung) verfügen dürften, ist hiermit eine Beschallung des Kirchenraumes zu einem genügenden Masse rein technisch durchaus möglich.
Doch auch hier ergibt ein nicht zu unterschätzender Faktor individueller Natur, der in der Person des Musikers liegt, der dieses Instrument bedient. Dieser kann natürlich ein Virtuose auf seinem Gebiet sein. Es kann aber auch genauso gut ein mittelmäßig begabter Musikstudent sein oder ein Gemeindemitglied sein. Diese von diesem Musiker gespielte Musik wird von allen Gemeindemitgliedern beim Eintritt wahrgenommen.
Hierbei muss beachtet werden, dass Pfarrer und Musiker in der Regel die zu spielenden Stücke bereits im Vorfeld gemeinsam ausgesucht haben dürften. Ob die Musik sich nun mit der Grundstimmung der eintretenden Gemeindemitglieder in Einklang bringen lässt oder aber auf Abneigung stößt, lässt sich nicht vorhersagen, sollte jedoch als Faktor in die Überlegungen zur Vorbereitung eines Gottesdienstes miteinbezogen werden.
Wünschenswert ist sicher, dass die erklingende Musik sowie die Begrüßung durch den Pfarrer dem Besucher das Gefühl vermitteln, dass er hier willkommen ist. Denn an dieser Stelle entscheidet sich bereits, ob das Gemeindemitglied den Eindruck hat, als Person wahrgenommen zu werden.
Wenn diese Handlung seitens des Pfarrers erfolgreich ist, dann kann sich in der Folge beim Gläubigen ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrautheit einstellen. Kommt es dazu, dürfte die innere Bereitschaft zur Annahme der im Gottesdienst vermittelten Inhalte um ein Vielfaches größer sein, als wenn diese Grundbedingung nicht erfüllt ist.
In vielen Gemeinden ist zudem eine weitere, vorbereitende Handlung nicht unüblich: das Eingangsgebet. Es dient dem Sinn nach dazu, sich auf den folgenden Gottesdienst innerlich vorzubereiten. Da es der inneren Form nach eine direkte Anrede Gottes darstellt, in der der Gläubige etwa seine Sorgen, Bitten und Wünsche vorträgt, gibt es hierzu keine Vorgaben.
Die Individualität dieses Gebets bringt verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten mit sich: es macht einen Unterschied, ob der Gläubige zu Beginn des Gebets sitzt und ein stilles Gebet spricht oder ob er etwa im Mittelgang stehen bleibt und in mäßiger Lautstärke, sich der Aufmerksamkeit der Anderen sehr wohl bewusst, anfängt zu beten. Die Möglichkeiten zur Selbstinszenierung sind an dieser Stelle sehr vielfältig.
Quellen
(1) Evangelisches Gottesdienstbuch. Berlin 2001.
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