. .

Serie: Theater und Religion (14)

Bühne und Raum

Im vorherigen Artikel ist nachgewiesen worden, dass eine Überschneidung zwischen der darstellenden Person und der dargestellten Rolle kein Ausschlusskriterium für eine darstellerbezogene Systematisierung theatraler Zeichen in Bezug auf einen evangelischen Gottesdienst ist.

Des Weiteren wurde erwähnt, in welchem Rahmen diese Rollendarstellung zustande kommen kann: Die Darsteller bewegen sich innerhalb einer autonomen, künstlich geschaffenen Welt, die sich vor Allem dadurch auszeichnet, dass sie autonom zu sein scheint und sich dadurch von realen Alltagswelt abgrenzt.

Es wurde im Vorfeld die Frage gestellt, inwiefern sich in dieser Folge die raumbezogene Systematisierung theatraler Zeichen nach Kowzan auf den Kirchenraum beziehen lässt.

Mircea Eliade(1) hat in Bezug auf den heiligen Raum, nichts anderes ist der Innenraum einer evangelischen Kirche für die Gläubigen, eine in diesem Kontext interessante Theorie aufgestellt.

Laut Eliade unterscheidet sich der Kirchenraum vom normalen Raum dadurch, dass in ihm etwas, was er „Manifestation des Heiligen“ nennt, sein Zentrum hat. Dies findet seine Begründung unter Anderem darin, dass sich dieser heilige Raum vom so genannten profanen Raum unterscheidet. Profan meint in diesem Kontext einen Raum, der keine religiösen Merkmale hat beziehungsweise Voraussetzungen erfüllt.

Da der profane Raum homogen ist, besteht für die Gläubigen eine Art von Orientierungsnotwendigkeit, der durch den heiligen Raum gewährleistet werden kann.

Der heilige Raum hingegen ist abgegrenzt und kann nur durch eine Schwelle, in unserem Falle eine Tür, betreten werden.

Symbolisch betrachtet stellt diese Tür einen Übergang von der Alltagswelt in die Gemeinschaft derer, die denselben Glauben haben, dar.

Dieser Ort seinerseits, von Eliade auch als Theophanie bezeichnet, stellt im Leben der Gläubigen einen zentralen Punkt dar. Begründet wird dies durch einen Rückschluss auf die Anfänge unserer Zivilisation, als unser gesellschaftliches Miteinander bestenfalls als archaisch zu bezeichnen war.
Heilige Orte wurden zu dieser Zeit, genau wie heutzutage, durch Zeichen definiert.

Eliade erkennt das Grundbedürfnis der Menschen, einer Verbindung zwischen Himmel und Erde nahe zu sein und legt dar, dass dies beispielsweise durch eine Säule, einen Berg, einen Baum oder aber auch einen Kirchturm dargestellt ist.

Da für den Menschen das, was er glaubt, der Realität entspricht, ist der heilige Ort somit der Mittelpunkt seiner Realität. Daraus erklärt sich auch das menschliche Bedürfnis, der axis mundi(2), also seinem persönlichen heiligen Raum, nahe sein zu wollen.

Damit ist zwar noch nicht geklärt, wie der heilige Raum eigentlich beschaffen ist, aber zumindest, was er eigentlich ist. Um seine Funktion zu ergründen, ist eine Ausführung des Begriffs der Heiligen Zeit nach Eliade nötig, die er seiner Beschreibung des Heiligen Raumes anschließt.

Die heilige Zeit ist für einen religiösen Menschen wie der heilige Raum nicht homogen oder stetig. Dazu morgen mehr …

Quellen

(1) Eliade, Mircea: Das Heilige und das Profane : vom Wesen des Religiösen. Frankfurt am Main 1990.
(2) aus dem Lateinischen stammender Begriff, bedeutet soviel wie „Weltachse“ bzw. Weltmittelpunkt

Popularity: 13% [?]

Hinterlasse eine Antwort