Anwendbarkeit des Axioms
Wie in den letzten Artikeln bereits erwähnt, kann man Jens Roselt(1) zufolge von einer Inszenierung sprechen, wenn alle Zeichensysteme des Theaters Verwendung finden.
Daher wurde nachgewiesen, dass eine semiotische Analyse unter Verwendung der Systematisierung theatraler Zeichen nach Kowzan(2) möglich ist.
Zum Nachweis wurden sowohl theatertheoretische wie auch philosophische und historische Bezüge gewählt, die eine Vergleichbarkeit überhaupt ermöglichten. Sowohl Darsteller als auch Raum eines evangelischen Gottesdienstes sind demnach mit einer aus der Theaterwissenschaft stammenden Methodik erfassbar.
Wie zuvor angenommen, lässt dies darauf schließen, dass es sich um die Aufführung einer Inszenierung handelt. Es wurde anhand von Bentley(3) und Burke(4) nachgewiesen, dass es sich bei einem evangelischen Gottesdienst um einen interaktiven Prozess handeln muss.
Dadurch wird die zweite Forderung nach Roselt erfüllt: „Produktion und Rezeption laufen gleichzeitig ab und bedingen einander. Das heißt, eine Aufführung entsteht in der Interaktion ihrer Teilnehmer.“
Zudem wird auch die dritte Forderung Roselts erfüllt: es wird eine „soziale Gemeinschaft auf Zeit“ gestiftet, die insbesondere auch durch den Raum zustande kommt. Dies wurde durch die Bezugnahme auf die Theorien von Eliade(5) zum heiligen Raum und dessen Zusammenhang mit der heiligen Zeit nachgewiesen.
Es hat sich zwar als deutlich schwieriger erwiesen, einen evangelischen Gottesdienst als Ganzes zu betrachten als den kurzen Auftritt eines einzelnen Politikers zu erfassen, jedoch wurde nachgewiesen, dass der Ansatz von Frau Fischer-Lichte, wie sie ihn in ihrem Vortrag dargestellt hat, in diesem Bereich ebenfalls Verwendung finden kann.
Wozu nun die vielen Worte? In meinem morgigen Artikel werde ich die Quintessenz vom Staube ziehen und diese Serie abschließen.
Quellen
(1) Roselt, Jens: Kreatives Zuschauen. Zur Phänomenologie von Erfahrungen im Theater. In: Der Deutschunterricht: Beiträge zu seiner Praxis und wissenschaftlichen Grundlegung, Heft 2, Stuttgart 2004. S. 46 – 56.
(2) Kowzan, Tadeusz: The Sign in the Theatre. In: Diogenes 61. Zürich 1968. S.52 – 80.
(3) Bentley, Eric: Das lebendige Drama. Eine elementare Dramaturgie. Deutsch von Walter Hasenclever. Velber bei Hannover 1967.
(4) Burke, Peter: Ludwig XIV : Die Inszenierung des Sonnenkönigs. Aus dem Englischen übersetzt. Berlin 1993.
(5) Eliade, Mircea: Das Heilige und das Profane : vom Wesen des Religiösen. Frankfurt am Main 1990.
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